Martin Luther schlägt seine 95 Thesen an

Wittenberg am 31. Oktober 1517


Martin Luther schlägt seine 95 Thesen an das Hauptportal der Wittenberger Schlosskirche.


Kurfürst Friedrich III. von Sachsen (1463 – 1525, auch: Friedrich der Weise) war von 1486 bis 1525 Kurfürst von Sachsen. Er lehnte die Auslieferung Luthers nach Rom ab und schützte ihn vor der kaiserlichen Ächtung.
Kardinal Thomas Cajetan (1469 – 1534) führte eine zweitägige Unterredung mit Luther, um diesen zum Widerruf seiner 95 Thesen gegen den Ablass zu bewegen.
Der in Pirna geborene Dominikanermönch Johann Tetzel (1460 – 1519) betrieb einen intensiven Ablasshandel zugunsten des Baus der Peterskirche in Rom. Ihm wird ein sehr unsolider Lebenswandel mit Ehebruch und Betrug beim Spielen nachgesagt.
Der sächsische Adelige Karl von Miltitz (1490 – 1529) führte im Auftrag des Papstes im Januar 1519 in Altenburg eine Unterredung mit Luther, um diesen zum Stillhalten zu bewegen. Gleichzeitig sollte er den Kurfürsten Friedrich III. von Sachsen dazu bringen, Luther nicht länger zu beschützen. Beide Missionen blieben erfolglos.
Der katholische Theologe Dr. Johannes Eck (1486 – 1543) war ein entschiedener Gegner Luthers.



Martin Luther (1483 - 1546) schlägt am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen an das Hauptportal der Wittenberger Schlosskirche.





Ferdinand Wilhelm Pauwels: Luthers Anschlag der 95 Thesen
Quelle: Fotothek der SLUB Dresden, Fotograf unbekannt, Aufnahme-Nr.: df_wm_0005332, Datensatz-Nr.: obj 70700522

Sächsisches Realienbuch von 1920, Seite 68














Um diese
Zeit schrieb Papst Leo X.,
der zum Bau der Peters-
kirche in Rom viel Geld
nötig hatte, einen voll-
kommenen Ablass aus.
Jeder, der sich einen Ab-
lassbrief kaufte, sollte,
nachdem er gebeichtet und
Absolution empfangen
hatte, von allen ewigen
und zeitlichen Sünden-
strafen befreit sein. Unter den in Deutschland herumziehenden Ablasskrämern ist
besonders Tetzel bekannt geworden. Er machte aus dem Ablasshandel ein gewöhn-
liches Geldgeschäft. Nach seiner Preisliste zahlte man für Kirchenraub neun, Tot-
schlag sieben, Ketzerei sechs Dukaten usw. Von Reue und Buße war nicht die
Rede. Man konnte bei ihm sogar Ablass für verstorbene Verwandte kaufen, um
die armen Seelen aus dem Fegefeuer zu erlösen. Es wird erzählt, dass er gerufen
habe: „Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Fegefeuer springt.“
So verführte er die Leute immer mehr zu dem Glauben, dass für Geld wirklich
Vergebung der Sünden zu erlangen sei.

Im Jahr 1517 trieb Tetzel auch ganz in der Nähe von Witten-
berg, in Jüterbogk, sein Wesen. Luther sah mit heiligem Zorn auf diesen Ablass-
unfug und zog in seinen Predigten gewaltig dagegen los. Aber wenn er die Leute
zur Buße ermahnte, so beriefen sie sich auf ihre Ablasszettel und meinten, der Buße
nicht mehr zu bedürfen. Da schlug Luther am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen
an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg. Sie waren sämtlich gegen den
Ablass gerichtet. Die 32. These lautet z. B. „Die werden samt ihren Meistern zum
Teufel fahren, die da vermeinen, durch Ablassbriefe ihrer Seligkeit gewiss zu sein.“
Gegen jedermann wollte Luther seine Sätze verteidigen. „Der wird´s tun! Er
kommt, auf den wir alle gewartet haben“, rief ein frommer Leser aus.

In 14 Tagen verbreiteten sich Luthers
Sätze in ganz Deutschland, und in vier Wochen waren sie in der ganzen Christenheit
bekannt. Es war, als ob die Engel selbst Botenläufer gewesen wären. Viel Gerede
erhob sich dafür und dawider. Luther aber sprach: „Ist das Werk nicht in Gottes
Sächsisches Realienbuch von 1920, Seite 69
Namen angefangen, so ist es bald gefallen. Ist es aber in seinem Namen angefangen,
so lasset denselben walten.“ Der Papst war entrüstet und verlangte Luthers Aus-
lieferung. Aber der fromme Kurfürst Friedrich der Weise schützte ihn. Da-
gegen musste sich Luther 1518 in Augsburg vor dem Kardinal Kajetan verant-
worten. Aber diese Unterredung war ohne Erfolg. Darauf suchte ihn der Papst
durch den Kammerherrn von Miltitz, einen sächsischen Edelmann in päpstlichen
Diensten, durch freundliches Zureden zum Schweigen zu bringen (Unterredung in
Altenburg). Luther versprach zu schweigen, wenn auch seine Gegner schwiegen. Als
aber bald darauf Dr. Eck öffentlich den Ablass zu verteidigen suchte, hielt sich Luther nicht mehr an sein Versprechen gebunden. Er hatte in Leipzig mit Eck eine mehr-
tägige öffentliche Unterredung. Im heftigen Wortstreit sprach Luther seine Über-
zeugung zum ersten Mal aus, dass die Kirchenversammlungen irren könnten und
dass ein göttliches Recht des Papstes nicht in der Schrift begründet sei. Der
erzürnte Eck eilte nach Rom und bewirkte, dass der Papst über Luther den
Bann aussprach und ihn dadurch aus der Kirche stieß. Luther aber verbrannte
die Bannbulle öffentlich 1520 vor dem Eisentor zu Wittenberg und sagte sich
damit für immer vom Papst los.


aus: "Sächsisches Realienbuch", 1920, Seiten 68 und 69

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