der Freiheitsbrunnen in Memmingen
der Freiheitsbrunnen in Memmingen

Die 12 Artikel der Memminger Bauern

Memmingen am 20. März 1525



Am 6., 15. und 20. März 1525 treffen sich in Memmingen etwa 50 Bauernvertreter des Baltringer Haufens, des Allgäuer Haufens und des Bodensee-Haufens, um über das gemeinsame Auftreten gegenüber dem Schwäbischen Bund zu beraten. Nach langen Beratungen verabschieden sie die Zwölf Artikel und verbreiten diese in den nächsten zwei Monate in ganz Deutschland.

der erste Artikel
Zum Ersten ist unsere demütige Bitte und unser Begehr, auch unser aller Wille und Meinung, dass wir nun in Zukunft Gewalt und Macht haben, damit eine ganze Gemeinde ihren Pfarrer selbst wählen und einsetzen kann. Sie soll auch Vollmacht haben, ihn wieder abzusetzen, wenn er sich ungebührlich verhält. ...
der zweite Artikel
Zum Zweiten: Da der Kornzehnt im Alten Testament festgelegt und im Neuen bestätigt ist, wollen wir den rechtmäßigen Kornzehnt gerne geben, doch wie es sich gebührt: Demnach soll man ihn Gott geben und auch den Seinen zuteil werden lassen. Somit gebührt er einem Pfarrer, der das Wort Gottes klar verkündet. ...
der dritte Artikel
Zum Dritten ist es bisher Brauch gewesen, dass man uns für Leibeigene gehalten hat, was zum Erbarmen ist, angesichts dessen, dass uns Christus alle mit seinem kostbaren vergossenen Blut erlöst und erkauft hat, den Hirten ebenso wie den Höchsten, keinen ausgenommen. Darum ergibt sich aus der Schrift, dass wir frei sind und sein sollen. ...
der vierte Artikel
Zum Vierten ist es bisher Brauch gewesen, dass kein Bauer das Recht gehabt hat, Wild, Geflügel oder Fische in fließendem Wasser zu fangen, was uns ganz unziemlich unbrüderlich dünkt, sogar eigennützig und dem Wort Gottes nicht gemäß. ...
der fünfte Artikel
Zum Fünften sind wir auch wegen der Holznutzung beschwert. Denn unsere Herrschaften haben sich die Wälder allein angeeignet, und wenn der Bauer etwas braucht, muss er´s ums doppelte Geld kaufen. So ist unsere Meinung dazu: Was es auch immer für Wälder seien, die geistliche oder weltliche Herren besitzen, sie sollen, wenn diese sie nicht gekauft haben, der ganzen Gemeinde wieder anheim fallen. ...
der sechste Artikel
Zum Sechsten sind wir hart bewschert durch die Dienste, die von Tag zu Tag vermehrt und täglich erweitert werden. Wir verlangen, dass man genügend Einsehen dafür hat und uns nicht dermaßen belastet, sondern uns gnädig so dienen lässt, wie schon unsere Eltern gedient haben, doch entsprechend dem Wortlaut des Evangeliums.
der siebente Artikel
Zum Siebten wollen wir uns künftig von der Herrschaft keine weiteren Lasten auferlegen lassen, sondern man soll das Gut so besitzen, wie es von der Herrschaft von Rechts wegen verliehen wird, entsprechend der Vereinbarung zwischen Herrn und Bauern. ...
der achte Artikel
Zum Achten sind wir dadurch beschwert, dass die Güter, und es gibt viele, die Güter besitzen, den Pachtzins nicht erbringen können, so dass die Bauern das Ihre darauf einbüßen und zu Grunde gehen. Wir verlangen, dass die Herrschaft diese Güter von einer Kommission ehrbarer Leute begutachten lässt und dann soll ein Pachtzins nach der Ertragsfähigkeit festgesetzt werden, damit der Bauer seine Arbeit nicht umsonst tue. ...
der neunte Artikel
Zum Neunten sind wir durch die hohen Gerichtsbußen beschwert. Denn man stellt stets neue Satzungen auf. Man straft uns nicht auf Grund eines Tatbestandes, sondern zu Zeiten mit großer Missgunst und zu Zeiten nach Gunst. Es ist daher unsere Forderung, dass man uns auf Grund alter, geschriebener Satzung strafe, je nachdem, wie die Strafsache beschaffen ist, und nicht nach Willkür.
der zehnte Artikel
Zum Zehnten sind wir damit beschwert, dass etliche Herren sich Wiesen angeeignet haben, desgleichen Äcker, die der Gemeinde gehören. Diese werden wir wieder in unseren gemeinschaftlichen Besitz nehmen, es sei denn, dass man sie redlich gekauft hätte. Wenn man sie aber nicht rechtmäßig erworben hat, soll man sich gütlich und brüderlich miteinander vergleichen nach Lage der Dinge.
der elfte Artikel
Zum Elften wollen wir den Brauch, genannt Todfall, ganz und gar abgeschafft haben. Wir wollen nicht mehr dulden noch weiterhin gestatten, dass man Witwen und Waisen gegen Gott und jede Ehre so schändlich etwas nehmen und sie berauben darf, wie es an vielen Orten in unterschiedlicher Art und Weise geschehen ist, und zwar von denen, die sie beschützen und beschirmen sollten. ...
der zwölfte Artikel
Zum Zwölften ist unser Beschluss und unsere endgültige Meinung: Wenn einer oder mehrere Artikel hier aufgestellt sein sollten, die dem Wort Gottes nicht entsprechen, was wir aber nicht glauben, so soll man sie uns mit dem Wort Gottes als unzulässig nachweisen. Wir wollen dann von ihnen Abstand nehmen, wenn man uns das auf Grund der Schrift erklärt. ...

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