Schweres Zugunglück am Harrasfelsen

am 14. Dezember 1913


Artikel in der ´SuperIllu´ Nr. 51 / 2013
aus: "SuperIllu" Nr. 51 / 2013

Artikel in der ´Dresdner Volkszeitung´ vom 15. Dezember 1913
Artikel in der ´Dresdner Volkszeitung´ vom 15. Dezember 1913
Artikel in der ´Dresdner Volkszeitung´ vom 15. Dezember 1913



alle drei Artikel aus: "Dresdner Volkszeitung" vom 15. Dezember 1913

Artikel in der ´Dresdner Volkszeitung´ vom 16. Dezember 1913
beide Artikel aus: "Dresdner Volkszeitung" vom 16. Dezember 1913
Artikel in der ´Dresdner Volkszeitung´ vom 16. Dezember 1913

Das Eisenbahnunglück am Harrasfelsen

... Die Bergungsarbeiten auf der
Unglücksstätte des Braunsdorfer Eisenbahnunglücks stellen sich als
sehr schwierig dar. Zum Teil mußten die Verunglückten stundenlang
zwischen den Trümmern liegen. ...

... Ein Mitarbeiter schreibt uns auf Grund von Angaben einiger
Beteiligten noch folgendes:
Der Zug hatte am Sonntag abend 10 Uhr 10 Minuten
Frankenberg verlassen. Als er vor dem Tunnel ankam, bemerkte
der Lokomotivführer, daß das Vorsignal nicht gezogen war, deshalb
fuhr er langsam, bis er jenseits des Tunnels das Hauptsignal sah,
das auf: Einfahrt frei! stand. Als der Zug den Tunnel verlassen
wollte, prallte die erste Lokomotive an Felsmassen, die sich un-
mittelbar am Tunnel vier bis fünf Meter hoch aufgetürmt hatten
und den Weg versperrten. Auf diese Sturzmasse fuhr die erste
Maschine auf, und durch den kolossalen Anprall wurden sechs Per-
sonenwagen zum Teil ineinandergeschoben, zum Teil gingen sie hoch
bis zur Decke des Tunnels. Die Schmerzensschreie der Schwerver-
letzten wurden zunächst übertönt durch den Sturz neuer Felsmassen,
die gelöst worden waren durch die erste Lokomotive, die die vor-
gelagerten Sturzmassen hinaufgefahren war und die Decke der
Tunnelausfahrt zerstört hatte. Dabei war der Schornstein abge-
brochen. Schreckliche Minuten folgten. Durch den ungemein
heftigen Zusammenstoß war die Gasleitung des Zuges zerstört
worden und nun herrschte völlige Finsternis im Tunnel, der über-
dies von dem ausströmenden Gas erfüllt wurde. Wer heil
oder mit geringen Verletzungen davongekommen war, verließ den
Wagen und tastete sich aus dem Tunnel hinaus. Das war aber
nur nach der Frankenberger Seite möglich: nach der Chemnitzer Seite
war der Tunnel versperrt. Die Schreckensnachricht war bald nach
Frankenberg getragen worden. Die Lokomotivführer und Heizer
der beiden Maschinen haben bis zum letzten Augenblick ihre Pflicht
getan; sie stellten die Lokomotiven ab und löschten die Feuer, um
Explosionen zu verhüten. Obwohl er erhebliche Gesichtsverletzungen
erlitten hatte, kroch ein Heizer durch die einzige kleine Öffnung
des Tunnelausgangs und lief nach Bahnstation Braunsdorf, um
hier als erster das gräßliche Eisenbahnunglück zu melden. Nun
wurde telephonisch von Chemnitz Hilfe gerufen. Kurz nach 12 Uhr
kam ein Rettungszug von Chemnitz, etwas später je einer von
Frankenberg und Leipzig. Zwölf Mitglieder des Chemnitzer
Samaritervereins arbeiteten unter Leitung eines Arztes. Einige
Minuten, nachdem sie ihre Arbeit begonnen hatten, erfolgte ein
weiterer Felssturz, der aber niemand gefährdete. ...

... Der Harrasfelsen, der sich am Ufer der Zschopau ganz
in der Nähe von Chemnitz erhebt, ist eine alte Sagenstätte. Von
hier soll Harras, der kühne Springer, auf seinem Pferd ins
Tal der Zschopau heruntergesprungen sein. Theodor Körner hat diese
Sage in seiner bekannten Ballade ausführlich geschildert, und zur
Erinnerung an den Dichter steht auf der höchsten Spitze des Felsens
ein eisernes Kreuz. Unten am Fuße des Felsens hat man außerdem
noch eine Harraseiche, eine Körnereiche und ein Denkmal zum Ge-
dächtnis des kühnen Springers errichtet. Der Felsen wird in seiner
ganzen Länge von dem etwa 100 Meter langen Tunnel durchbohrt.

Artikel in der ´Dresdner Volkszeitung´ vom 17. Dezember 1913
aus: "Dresdner Volkszeitung" vom 17. Dezember 1913
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