Leo Jogiches wird ermordet

am 10. März 1919


Volker Ullrich: Die Revolution von 1918/19, 2009, Seite 91
Quelle: Volker Ullrich: Die Revolution von 1918/19, 2009, Seite 91
Emil Julius Gumbel: Vier Jahre politischer Mord, 5. Auflage, 1922, Seite 25 Emil Julius Gumbel: Vier Jahre politischer Mord, 5. Auflage, 1922, Seite 26
Quelle: Emil Julius Gumbel: Vier Jahre politischer Mord, 5. Auflage, 1922, Seiten 25 und 26

Leo Jogiches (1867 - 1919) entstammte einer reichen jüdischen Kaufmannsfamilie. Schon in jungen Jahren engagierte er sich in sozialrevolutionären Kreisen Wilnas. 1888 wurde er inhaftiert. Nach der Entlassung aus dem Gefängnis sollte er als russischer Untertan Militärdienst in Turkestan leisten und floh deshalb Anfang 1890 in die Schweiz, wo er an der Universität Zürich studierte und die Schweizer Staatsbürgerschaft beantragte. Er war Mitglied der Sozialdemokratie des Königreichs Polen und Litauens (SDKPiL).
Während des Ersten Weltkriegs lebte Jogiches in Berlin im Untergrund. In der Novemberrevolution von 1918 war er neben Franz Mehring (1846 - 1919), Karl Liebknecht (1871 - 1919), Rosa Luxemburg (1871 - 1919) und anderen Mitbegründer des Spartakusbundes und der aus ihm zusammen mit anderen kommunistischen Gruppierungen am 1. Januar 1919 hervorgegangenen KPD.
Nach der Ermordung der charismatischen Leitfiguren der KPD, Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, am 15. Januar 1919 durch rechtsextreme Freikorpsleute übertrug man Jogiches den Parteivorsitz der KPD. Anfang März 1919 wurde er in seiner Wohnung in Berlin-Neukölln verhaftet und am 10. März 1919 im Untersuchungsgefängnis Berlin-Moabit von dem Kriminalwachtmeister Ernst Tamschick durch einen Schuss in den Hinterkopf ermordet.


Artikel der ´Vossischen Zeitung´ vom 11.3.1919, Seite 4

Einer der gefährlichsten Führer der Spartakisten, Jogiches,
ist gestern im Gebäude des Kriminalgerichts in Moabit erschossen
worden. Jogiches ist während der Straßenkämpfe verhaftet
worden und sollte gestern durch einen Soldaten dem Unter-
suchungsgefängnis zugeführt werden. Im Gebäude des Krimi-
nalgerichts griff Jogiches den Soldaten an und wurde von ihm
auf der Stelle niedergeschossen. Ein gleicher Fall war im Gebäude
des Kriminalgerichts schon am Tage vorher vorgekommen.
aus: "Vossische Zeitung" vom 11. März 1919

Artikel der ´Dresdner Volkszeitung´ vom 11.3.1919

Wie verschiedene Blätter berichten, wurde einer der gefähr-
lichsten Führer der Spartakisten Jogiches im Gebäude des Kriminal-
gerichts in Moabit erschossen. Der Genannte war während der Straßen-
kämpfe verhaftet worden und sollte durch einen Soldaten dem Unter-
suchungsgefängnis zugeführt werden. Im Gebäude des Kriminal-
gerichts griff er den Soldaten an und wurde auf der Stelle von diesem
niedergeschossen.
aus: "Dresdner Volkszeitung" vom 11. März 1919 (SPD-Zeitung)

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