c Schlägerei in der Stadtverordnetenversammlung Meißen

Blutige Schlägerei in der Meißner Stadtratssitzung

am 12. Januar 1933

Rathausschlacht in Meißen am 12. Januar 1933

Rathausschlacht in Meißen

Die Eröffnung des neuen Stadtparlaments

In der gestrigen Sitzung des Meißner Stadtverord-
netenkollegiums kam es zu einer schweren blutigen
Schlägerei. Der Zuhörerraum und die Galerie waren
mit etwa 500 Zuhörern besetzt, unter denen sich etwa 50 bis
60 uniformierte Nazis befanden. Bereits vor Beginn der
Sitzung kam es zu Kundgebungen beim Eintritt der
verschiedenen Stadtverordneten in den Sitzungssaal. Die
neun Nazistadtverordneten erschienen ebenfalls in
Uniform. Die Wahl des Präsidiums ergab, dass zum Vor-
steher der Sozialdemokrat Rosenbaum gewählt wurde.
Das Präsidium setzt sich zusammen aus drei Sozial-
demokraten und zwei Kommunisten.
Nach Beendigung des Wahlaktes provozierten die
uniformierten Nationalsozialisten das Publikum durch Zu-
rufe und Drohungen. Daraufhin kam es zu Reibereien
zwischen den Zuhörern, worauf die Nationalsozialisten sofort
in den Saal sprangen, ihre Koppel abschnallten und Stühle
zerschlugen und als Wurfgeschosse benutzten. Nationalsozia-
listische Zuhörer und Stadtverordnete vereinigten
sich und warfen Stühle, Tische und Bänke in das Publikum,
das das Freie zu gewinnen suchte. Besonders hervorgetan
hat sich dabei der nationalsozialistische Fraktionsführer und
städtische Beamte Kaule.
Etwa nach sechs bis acht Minuten erschien die
Polizei. Es gab auf beiden Seiten Ver-
letzungen, darunter glücklicherweise nur wenige
schwererer Natur. Die meisten Verletzungen wurden
durch die Stuhlwürfe der Nationalsozialisten hervorgerufen.
Auch einige Frauen wurden verletzt. Der Sitzungssaal glich
nach wenigen Minuten einem einzigen Trümmer-
haufen. Da von den Zuhörern nicht ein einziger in den
Sitzungssaal eingedrungen war, ist die Zerstörung des ge-
samten Mobiliars des Sitzungssaales auf das Konto der
nationalsozialistischen Stadtverordneten zu setzen. Sogar
einen langen schweren Tisch, an dem der Rat sitzt, versuchten
sie gegen den Zuschauerraum zu schleudern. Die
Meißner Arbeiterschaft wird heute abend in großen Protest-
kundgebungen gegen den Versuch eines nationalsozialistischen
Terrors in der Arbeiterstadt Meißen protestieren.



aus: SPD-Zeitung "Dresdner Volkszeitung" vom 13. Januar 1933 (Seite 1)

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