SS-Leute ermorden Prof. Rainer Fetscher

am 8. Mai 1945


Prof. Dr. Rainer Fetscher

... Noch ein anderes Ereignis erschwerte unsere erste Arbeit. Unsere Gruppe bestand seit Winter 1941. Es waren nicht nur zu kampfbereiten Genossen der SPD, sondern auch zu fortschrittlichen Demokraten Verbindungen geknüpft worden. Die bürgerliche Gruppe stand unter der Leitung von Professor Fetscher. Er verwahrte in seinem Gedächtnis die Adressen der ihm Gleichgesinnten, mit denen wir planten, den Neuaufbau zu beginnen. Es war ein großes Unglück, dass mit der Ermordung Professor Fetschers zunächst auch diese Verbindungen abrissen.

Genosse Hermann Eckardt, der Augenzeuge der Ermordung Professor Dr. Fetschers war, weiß hierüber zu berichten:
"Als die Kampfzone sich der Stadt Dresden näherte, fanden täglich Besprechungen unserer illegalen Parteigruppe statt. Es war klar, dass die Sowjettruppen in Dresden einmarschieren, und es wurde mit Dr. Fetscher vereinbart und in der illegalen Gruppe beschlossen, dass wir den sowjetischen Truppen sofort entgegengehen, die Stadt übergeben sowie die Mitarbeit der illegalen Gruppe anbieten, um größeres Blutvergießen zu verhindern. Wir nahmen Professor Fetschers Auto, banden ein Bettlaken über den Kühler und baten einen uns bekannten zivilen Sowjetbürger, der deutsch sprach, mit uns gemeinsam der Truppe entgegenzufahren. Bei der Fahrt zur Wiener Straße sahen wir fern schon Truppen und wurden, obwohl wir ganz allein auf der Straße waren, mit MG-Feuer empfangen. Um unsere Aufgabe zu erfüllen, mussten wir in dieses Feuer hineinfahren, stellten jedoch später fest, dass die Sowjetsoldaten in die Luft geschossen hatten. An der Eisenbahnbrücke Wiener Straße wurden wir angehalten, mussten aussteigen und der mitgeführte Zivilist erklärte dem sowjetischen Offizier unser Vorhaben. Man gesellte uns einigen verhafteten Eisenbahnern und anderen Männern zu. So waren wir etwa zehn bis zwölf Mann. Wir gingen voran und führten das Bettlaken als Fahne. Wir suchten nun, einem Sowjetsoldaten folgend, den verantwortlichen Kriegskommandanten. Auf dem Wege durch die Trümmer der Wiener zur Prager Straße sahen wir zwar, wie uns Autos folgten und Menschen uns beobachteten, schenkten dem aber keine Bedeutung. Ich äußerte Professor Fetscher meine Bedenken, wir konnten uns aber die Bewegung um uns herum nicht erklären. Plötzlich bewegte sich in der Mitte der Prager Straße ein bisher dort parkender Wagen. Ich sah noch, wie einige SS-Leute ihr MPi erhoben und auf den Fahnenträger und unsere Gruppe zu schießen begannen. Dabei wurde Professor Fetscher sofort tödlich in die Schläfe getroffen und ein anderer Unbekannter am Hals schwer verletzt ...
Nach vielen Missverständnissen und unter großen Schwierigkeiten fanden wir endlich in Neustadt auf der Trachenberger Straße einen sowjetischen Stab. Man gab aber zwei Offiziere des NKWD mit zur Prüfung unserer illegalen Verbindungen. Ein auf der gleichen Straße wohnender Genosse konnte mich rechtfertigen, und so war das Vertrauen endlich gewonnen. ...

aus: "Der große Händedruck" von Elsa Fröhlich und Erna Gute
in: Beginn eines neuen Lebens - Eine Auswahl von Erinnerungen an den Beginn des Neuaufbaus in Dresden im Mai 1945, Beiträge zur Geschichte der Dresdner Arbeiterbewegung Heft 7, Seiten 60 und 61

Gedenkstein für Rainer Fetscher auf der Prager Straße / Ecke Ferdinandstraße

Gedenkstein für Rainer Fetscher auf der Prager Straße / Ecke Ferdinandstraße

Ehrung am Gedenkstein für Rainer Fetscher
der Gedenkstein für Rainer Fetscher
Quelle Bild oben links:
Fotothek der SLUB Dresden,
Aufnahme-Nr.: df_hauptkatalog_0106725,
Datensatz-Nr.: obj 70250188

Quelle Bild mitte links:
Fotothek der SLUB Dresden,
Fotograf: Walter Möbius (1955),
Aufnahme-Nr.: df_hauptkatalog_0127214,
Datensatz-Nr.: obj 32025888

Quelle Bild unten links:
Fotothek der SLUB Dresden,
Fotografen: Erich Höhne / Erich Pohl,
Aufnahme-Nr.: df_hpm_0026679_003,
Datensatz-Nr.: obj 70607800

Die Inschrift auf dem Gedenkstein lautet:
Am 8. Mai 1945
wurde hier ein Freund
der Arbeiter Prof.
Rainer Fetscher
von Faschisten ermordet
Ehre seinem Andenken


Quelle Bild mitte rechts:
Fotothek der SLUB Dresden,
Fotograf: Walter Möbius (1955),
Aufnahme-Nr.: df_hauptkatalog_0127215,
Datensatz-Nr.: obj 32025888

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