aus:   "Dresdner Neueste Nachrichten" vom 1. Juni 2001


"Christho" surft auf ganz neuen Wegen
Rudern: Kleine Steuerfrau hat aktive Karriere beendet
und hilft nun dem Nachwuchs in Laubegast auf die Sprünge


Dresden. Mit 155 cm Körpergröße und 45 Kilogramm Gewicht entspricht die zierliche Christina Thomas nicht den gängigen Vorstellungen von einer Ruderin. Und doch ist sie Ruderin, sogar eine sehr erfolgreiche.
Als Schülerin der 3. Klasse fiel sie im Sommer 1988 den Nachwuchsspähern auf und erhielt eine Einladung in den Ruderverein der BSG Pentacon Dresden. Natürlich spielte auch das Vorbild ihres Vaters eine nicht zu unterschätzende Rolle. Johannes Thomas steuerte am 25. Juli 1976 in Montreal den DDR-Vierer zur olympischen Silbermedaille. Im Boot saßen neben dem Bautzener Rüdiger Kunze und dem Freitaler Andreas Schulz auch die Meißner Zwillinge Ullrich und Walter Dießner.
19 Jahre nach Vaters größtem Erfolg errang Christina mit Walter Dießners Sohn Jörg (Dresdner Ruderclub) und Thomas Gräff (Dresdner Ruderverein) den Titel "Deutscher Jugendmeister" im Zweier. Es war "Not am Mann" und so stürmte das drahtige Mädchen in eine Männerdomäne. Da mit dem deutschen Meistertitel die Qualifikation für die Junioren-Weltmeisterschaft verbunden war, hoffte sie natürlich auf einen Start in Poznan. Leider blieb aber die Anfrage beim internationalen Verband FISA, ob auch Mädchen Männerboote steuern dürfen, ohne Erfolg. So musste Christina tatenlos und traurig auf der Zuschauertribüne erleben, wie ihre Mannschaftskameraden ohne sie zum begehrten Gold ruderten. Selbst die Teilnahme an Regatten in Luxor und Kairo konnte sie nicht über das verpasste Gold hinweg trösten.
Erst zwei Jahre später gelang ihr der Sprung zu einer WM. Im belgischen Hazewinkel steuerte sie den deutschen Juniorinnen-Achter zum Titel. Dabei waren die Vorbereitungen auf diese Titelkämpfe alles andere als optimal. In den Wochen zuvor pendelte sie immer wieder zwischen den Trainingslagern, den Abiturprüfungen in Dresden und den Bewerbungsgesprächen um eine Lehrstelle.
Inzwischen verabschiedete sich "Christho" vom Leistungssport. Durch das Rudern lernte sie viele Freunde kennen, errang großartige Erfolge, musste aber auch manche sportliche Enttäuschung wegstecken. Sie lernte, dass nicht jedes Ziel im ersten Anlauf erreicht wird. Ganz kommt sie vom Rudern aber nicht los. Seit einigen Monaten betreut sie eine Trainingsgruppe im Nachwuchsbereich des Laubegaster Rudervereins, erwarb die Übungsleiterlizenz und will nun den "Kleinen" helfen, ihren Weg im Sport und im Leben zu finden. In dieser Saison hofft Christina mit Eric, Richard, Toni, Andreas und Steuermann Mark einen leistungsstarken Doppelvierer zu den Wettkämpfen schicken zu können.

Bootspflege gehört zum Sport dazu Bootspflege gehört zum Sport dazu:
Christina Thomas (rechts)
mit ihren Schützlingen Toni, Steffen und Mark (von links) vom Ruderverein Laubegast.
Beruflich begann sie eine Ausbildung zur Kaufmännischen Assistentin für Datenverarbeitung. Und dort entdeckte sie im EDV-Unterricht eine neue Liebe - die zum Internet. In jeder freien Minute fegt sie in das Internet-Kabinett der Berufsschule und besetzt einen der wenigen Plätze. Anfangs waren es nur Internetauktionen, Sport-News und Gewinnspiel-Seiten, die sie aufrief. Inzwischen meldete sie eine eigene Internet-Seite an. Wichtiger ist aber, dass sie nach der Facharbeiterprüfung eine Arbeitsstelle findet. Am liebsten in Dresden. Notfalls aber auch in einem anderen Bundesland. Aber ganz klar: Wasser muss in der Nähe sein. Und ein Ruderverein!

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