aus:   "Dresdner Neueste Nachrichten" vom 30. März 2007 kompletter Originaltext

Artikel über Günter Mosch
Ein Großer des Radsports wird 65

oder

Solange es auf dem Rad nicht weh tut


Am heutigen Freitag feiert der in Radsportkreisen bekannte und geschätzte Günter Mosch seinen 65. Geburtstag.
Mit 17 ½ Jahren entdeckte der schon immer gern und sehr wild auf einem einfachen Tourenrad durch die Gegend Sausende die bis heute anhaltende Liebe zum Radrennsport. Das Vorbild des gerade zu seinem ersten Straßen-Weltmeistertitel geradelten Täve Schur spielte dabei eine nicht unwesentliche Rolle. Die ersten Radrennen bestritt er zwar noch auf dem schweren Tourenrad, aber eisern sparte er sich seine erste Rennmaschine zusammen, die immerhin 500 Mark kostete. Dafür nahm er körperlich schwere Arbeiten im Eisenwerk in Calbe/Saale auf sich, reduzierte seine Kinobesuche und andere Annehmlichkeiten des Lebens und sammelte Mark um Mark. Als er endlich mit einem deutlich leichteren Rad zu den Rennen antreten konnte, errang er gleich die ersten Siegerschleifen. Die Trainer wurden auf ihn aufmerksam und über die Stationen Chemie Bernburg, Dynamo Magdeburg gelangte er schließlich 1962 zur SG Dynamo Dresden-Nord. Für ihn bedeutete dieser Wechsel nach Dresden in doppelter Hinsicht einen Glücksfall. Einerseits kam er unter die Obhut der mittlerweile 75-jährigen Dresdener Trainer-Legende Manfred Deckert, die ihn bis heute sachkundig und kameradschaftlich berät. Andererseits - und das ist leider kaum noch vorstellbar - war Dresden in den 60-er und 70-er Jahren eine Hochburg des DDR-Querfeldeinsports. Radsportkennern läuft noch immer ein angenehmer Schauer über den Rücken, wenn sie sich der damaligen Radsportgrößen Gustav Peuker, Josef Jahn, Michael Kaltofen, Jürgen Elitzsch, Harald Schelhorn und und und erinnern. Bezirksmeisterschaften in Dresden waren teilweise härter umkämpft als die DDR-Titelkämpfe!
1963 gelang dem knapp 21-jährigen Günter Mosch der erste große Paukenschlag: In Rathenow rannte er auf dem schneebedeckten Rundkurs allen Favoriten locker davon und gewann souverän seinen ersten DDR-Meistertitel. Fast 17 Jahre später wurde der inzwischen 37-Jährige noch einmal Vize-Meister. In dieser Zeit schaffte es das nur 1,61 m "große" Kraftpaket sage und schreibe zwölfmal auf das Siegerpodest bei DDR-Meisterschaften. Er triumphierte 1973 in der Schlammschlacht in Stendal, dominierte ein Jahr später bei frühlingshaftem Wetter die Meisterschaft in Berlin und überzeugte damit alle Kritiker von seiner Vielseitigkeit. Mit drei Titeln, vier Silber- und fünf Bronzemedaillen war er der mit Abstand erfolgreichste Querfeldeinfahrer bei DDR-Titelkämpfen. Ihm am nähesten kamen das Supertalent "Michel" Kaltofen (3 Gold, 2 Silber) und der Berliner Uwe Freese (dreimal Gold).
Sein damaliger Traum von einem Start bei einer Weltmeisterschaft scheiterte an der finanziell engen Orientierung der DDR-Sportführung auf Disziplinen, die zu Olympischen Spielen ausgetragen werden. Dazu gehörte das Querfeldeinfahren leider nicht. Erst Jahrzehnte später erfüllte er sich den Traum von einem Start bei einer Weltmeisterschaft und sogar von einer Medaille. Im Rahmen der UCI Road Masters World Championships, die jedes Jahr Ende August im österreichischen St. Johann zum Mekka für alle radsportverrückten Senioren werden, errang er 1999 eine Silbermedaille im Straßenrennen seiner Altersklasse. 2004 kam er mit einem 8. Platz ebenfalls im Vorderfeld ein.

Der spurtstarke Mosch startete zuletzt immer öfter bei Kriterien und Straßenrennen und immer weniger im Querfeldein, da er nach einem schweren Sturz vor drei Jahren noch immer an einer Verletzung in der linken Schulter laboriert und sich nicht dem erhöhten Risiko weiterer Stürze im Querfeldeinrennen aussetzen will. So kann er zwar notgedrungen seiner großen Liebe Querfeldein nicht mehr nachgehen, aber er kann weiter Radsport treiben. Vor knapp zwei Wochen gewann er das Saisonauftaktrennen am Auer bei Moritzburg. Bis August will er sich wieder gut in Form bringen, um in St. Johann erneut einen der begehrten Pokale für eine vordere Platzierung zu kassieren. An Aufhören verschwendet er derzeit gar keine Gedanken. "Solange es auf dem Rad nicht weh tut" bleibt er dem Dresdner Radsport erhalten. Seine Frau Ursula, mit der er fast 40 Jahre verheiratet ist, fragt sich manchmal schmunzelnd, mit wem Günter mehr verheiratet ist: mit ihr oder dem Radsport?

Bommi


zurück zur Interview-Seite

zurück zur Startseite