aus:   "Sächsische Zeitung" vom 20. Juni 1998


Ein Drilling im Vierer

Mandy Emmrich stellt die Ausbildung für eine WM-Teilnahme hintenan


Seit einigen Wochen bereits plagten die sympathische Mandy Emmrich, eines der hoffnungsvollsten Dresdner Rudertalente, große Sorgen. Vier Jahre trainiert sie nun beim Dresdner Ruderclub. Nachdem sie im Vorjahr Deutsche Juniorenmeisterin im Ruderachter wurde und äußerst knapp die Teilnahme an der Junioren-WM verpasste, hofft sie in dieser Saison auf einen internationalen Erfolg.
Zunächst muss der Vierer ohne, in dem Mandy als Schlagfrau und mit Kerstin Naumann eine weitere Dresdnerin sitzt, seiner Favoritenrolle bei den Deutschen Meisterschaften, die am Wochenende in Essen ausgetragen werden, gerecht werden und sich für die Junioren-WM qualifizieren. Ein Sieg ist hier drin, ebenso wie eine Medaille bei den Welttitelkämpfen im österreichischen Ottersheim, meint auch Trainerin Regine Rieß.

Mandy Emmrich: Ein Drilling im Vierer
Mandy Emmrich (vorn) und Kerstin Naumann, zwei der hoffnungs-
vollsten Dresdner Rudertalente, wollen sich am Wochenende bei den Deutschen Meisterschaften in Essen im Doppelvierer für die Junioren-WM qualifizieren.

Doch ausgerechnet während des letzten Trainingslagers vor den nationalen Titelkämpfen sind Mandys Abschlussprüfungen für die Berufsausbildung. Im Herbst hatte sie am Berufsschulzentrum für Wirtschaft II in Dresden-Seidnitz eine Vollzeitausbildung zur staatlich geprüften kaufmännischen Assistentin begonnen. Eigentlich sollte diese Ausbildung nur genügend Zeit zum Trainieren ermöglichen und nicht unbedingt zu Ende geführt werden. Doch Mandy lernte als eines von vier Kindern schon früh, einmal angefangene Dinge auch zu einem ordentlichen Ende zu führen.
Diesen Ratschlag gaben die Eltern ihr und beiden Drillingsschwestern erst jüngst anlässlich der Feier zum 18. Geburtstag. Bei dieser Gelegenheit erhielten die drei Geschwister von der Mutter je ein Fotoalbum mit Erinnerungen an die wichtigsten und schönsten Lebensstationen. Die Mutter hatte die Alben in jahrelanger liebevoller Kleinarbeit - vor den Kindern geheim gehalten - zusammengestellt. Sogar eine Kopie der Ehrenurkunde von Erich Honecker anlässlich der Geburt der Drillinge wurde nicht vergessen.
Entsprechend dem Ratschlag ihrer Eltern sah Mandy die inhaltlich anspruchsvolle Berufsausbildung nicht als lästiges Beiwerk ihres Sportlerlebens an. Die täglichen Bus- und Bahnfahrten zwischen ihrem Zuhause in Hosterwitz bei Pillnitz, dem Trainingscamp in Dresden-Cotta und der Schule in Seidnitz nutzte sie zum Büffeln. Es gelang ihr in den letzten Monaten immer besser, sich in das Rechnungswesen, in Betriebswirtschaft und Datenverarbeitung einzuarbeiten.
Einem künftigen beruflichen Einsatz als kaufmännische Angestellte steht damit nichts im Wege und Angst vor den Abschlussprüfungen braucht sie keine zu haben. Doch der Termin bereitete ihr Sorge. Soll sie nun die Prüfungen verschieben oder das Trainingslager sausen lassen? Mittlerweile ist Mandy Emmrich endgültig dieser Sorgenfalten ledig. Ihre Prüfungen sind auf September verschoben. So kann die Mutti schon am Sonntag auf neue Siegerfotos für das Album ihrer Mandy hoffen.



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