Lernen in Zeiten von Corona

Lernaufträge


Liebe Auszubildende, ich bin kein Anhänger von Verschwörungstheorien u. ä., aber was und vor allem wie uns Ernst Wolff das Ganze aus wirtschaftlicher Sicht zu deuten versucht, gefällt mir. Schon allein deshalb sollten Sie es sich anhören, siehe das Video (42 Minuten) https://www.youtube.com/watch?v=iat3x0Nvrmo

MfG Bommi

Dresden, 24. April 2020


Liebe Auszubildende, wir Lehrer absolvierten heute in der Schule unsere Dienstberatungen - alles selbstverständlich in großen Abständen voneinander.
Ab Mittwoch werden bis Freitag (also drei Tage) nur die Klassen des A-Blocks des dritten Lehrjahres in der Schule erwartet. In der Woche vom 27. bis 30. April (vier Tage) folgen nur die Klassen des B- und des C-Blocks des dritten Lehrjahres.
Es findet kein Unterricht im herkömmlichen Sinne statt, sondern sog. "prüfungsvorbereitender Unterricht", also eine Art Konsultation. Zensuren müssen für diese Klassen nicht mehr gegeben werden, können aber. Nicht angeboten werden die Fächer Sport, Deutsch und Gemeinschaftskunde.

Wie es ab dem 4. Mai mit dem Unterricht - auch für das 1. und 2. Lehrjahr - weitergeht, wird in den nächsten Tagen entschieden.

Ich bin kein Virologe (bin also kein Fachmann in Epidemiologie) und auch kein Politiker (besitze also keine Entscheidungsgewalt), bin nur der kleine Lehrer, der versucht, Ihnen lehrplangerecht die durch die Berufsschule zu vermittelnden Inhalte beizubringen. Mein Ziel ist es, den Lehrplan auch zeitgerecht zu erfüllen. Also: Am 17. Juli möchte (und werde!) ich die jeweils angegebenen Handlungsbereiche "im Kasten" haben - egal, welche Widrigkeiten uns Corona zumutet. Sie brauchen keine Angst zu haben, wir liegen in GP genau im Zeitplan und sollten Sie auch weiterhin so aktiv mitarbeiten, dürften sich keine nennenswerten Probleme ergeben - für alle die, die mitziehen.

Am Ende dieses Blocks (also am 30. April) haben alle Klassen genau zwei Wochen traditionellen Schulunterricht eingebüßt. Bei 13 Schulwochen im Jahr entspricht dies einem knappen Sechstel, sollte also verschmerzbar sein. Die Frage bleibt: Wie lange geht dieser "Zirkus" noch? Die Zeichen, die gegenwärtig gesendet werden, deuten auf eine längere Dauer dieses gegenwärtigen Zustandes. Dazu sechs Beispiele:
1.) Die IHK verschob die Abschlussprüfungen für das 3. Lehrjahr vom 29. April auf den 18./19. Juni.
2.) Die 36 Fußball-Bundesligavereine beschlossen, dass - falls überhaupt Spiele stattfinden - die restlichen Bundesligaspiele ohne Zuschauer ausgetragen werden. Der letzte Spieltag war für den 16. Mai geplant.
3.) Die Fußball-EM sollte vom 12. Juni bis 12. Juli stattfinden. Sie ist mittlerweile ins Jahr 2021 verschoben worden.
4.) Die Olympischen Sommerspiele sollten vom 23. Juli bis 8. August stattfinden und wurden ebenfalls ins Jahr 2021 verschoben.
5.) Die Tour de France sollte ursprünglich vom 27. Juni bis 19. Juli ausgefahren werden, wurde am 15. April neu terminisiert vom 29. August bis 20. September.
6.) Das Oktoberfest in München - das größte Volksfest der Welt - war vom 19. September bis 4. Oktober geplant und wurde gerade abgesagt.
Mir ist nicht bekannt, dass es für eines dieser sechs Beispiele in den letzten 70 (!) Jahren ein ähnliches Vorbild gäbe.
Eine Schulfortsetzung im herkömmlichen Stil (wie bis zum 13. März) wird wohl noch für mehrere Wochen (Monate?) illusorisch sein. Wir sollten uns also schnellstens auf die neue Situation einstellen und unter diesen veränderten Bedingungen zu lernen lernen. Ich werde Ihnen weiterhin in kleinen Portionen die Lerninhalte alle paar Tage per Email und/oder lernsax zur Verfügung stellen und Sie sollten diese Lernaufträge in selbst zu wählender Zeit (Zeitpunkt und Dauer legen Sie eigenverantwortlich und selbstbestimmt fest.) erledigen. Wenn Sie es wünschen, können wir "Video"konferenzen durchführen. Sie müssten diese organisieren und mit mir die Termine abstimmen, denn ich bin ab Mittwoch in der Schule im Unterricht.
Wenn es darüber hinaus weitere Vorschläge für eine möglichst effiziente Form des Unterrichtens gibt, stehe ich diesen Vorschlägen sehr offen gegenüber.   ;-)

Ich bitte um Verständnis und Akzeptanz für die angegebenen Maßnahmen und wünsche uns viel Erfolg und beste Gesundheit. Bleiben Sie virenfrei. Bleiben Sie optimistisch. Wenn wir diese Phase mit Anstand überstanden haben, werden wir gewachsen sein.

MfG Bommi

Dresden, 20. April 2020


Liebe Auszubildende, gerade versorgte ich Sie mit neuen (kleinen) Aufgaben. Jetzt wünsche ich Ihnen erholsame und sorgenfreie Osterferien.
Vielleicht können Sie auch über den folgenden Corona-Witz lächeln.

So manchen Eltern dämmerte in den letzten drei Wochen, als sie ihre hochbegabten Goldkinder zu Hause betreuten, dass das Problem doch nicht der Lehrer war.

Ich melde mich am Montag nach Ostern wieder - in der Schule oder weiter per Email.   ;-)

Bleiben Sie den Viren fern.

MfG Bommi

Dresden, 9. April 2020


Liebe Auszubildende, täglich erreichen mich etwa 30 Emails von Ihnen. Die meisten Zuschriften bejahen meine regelmäßige Vergabe der Lernaufträge für alle Klassen - unabhängig davon, ob gerade laut Plan Schulwoche wäre oder Einsatz im Betrieb ist. Aber es gibt auch gegenteilige Meinungen.
Um es deutlich zu formulieren: Nicht   i c h   bin der Feind, sondern Covid 19!

Der Staatsminister (siehe u. a. Brief) meint "Die Erfüllung des Lehrplans ... steht nicht im Vordergrund. Dafür wird es im nächsten Schuljahr Möglichkeiten zur Aufarbeitung geben."
Okay, vor der Erfüllung des Lehrplans steht die gesundheitliche Unversehrtheit. Deshalb fällt momentan der Schulunterricht in seiner herkömmlichen Form aus.
Das Verschieben von Lehrinhalten des einen Schuljahrs in das folgende bedeutet aber eine Überfrachtung im folgenden Schuljahr. Das möchte ich - wenn es geht - vermeiden. Deshalb empfehle ich seit Mitte März eine andere Form des Unterrichtens. Ich möchte kleinschrittig, aber kontinuierlich den Unterrichtsinhalt für ein Selbststudium anbieten. Wenn Sie regelmäßig mitziehen, werden wir am Ende des Schuljahres unsere Lehrplanziele für dieses Schuljahr erfüllen - trotz Corona.

Aus Ihren Emails erfuhr ich, dass sich die Mehrzahl der Auszubildenden momentan im Home office befindet. Etwa ein Viertel arbeitet im Ausbildungsbetrieb, drei schrieben von täglich bis zu zwölf Stunden Arbeitszeit. Die Belastungen für Sie sind also sehr, sehr unterschiedlich. Egal, an welcher der drei Gruppen sich der Lehrer beim Bestimmen seines Unterrichtstempos orientiert, zwei Gruppen werden unzufrieden sein und das ganze Procedere ungerecht, unfair finden.
Ich bitte Sie also um Verständnis, wenn ich den eingeschlagenen Weg fortsetze. Denjenigen von Ihnen, die ihn ebenfalls beschreiten, sage ich voraus, dass Sie neben dem Kenntniserwerb vor allem an Persönlichkeitseigenschaften gewinnen, z. B. die Einsicht in die Notwendigkeit des lebenslangen Lernens entwickeln, die Lerntechniken des Selbststudiums erwerben und trainieren, sich einen strukturierten Tagesablauf anerziehen. Allein dafür sollte es sich lohnen mitzuziehen.   ;-)

Ich zähle auf Sie.

Bleiben Sie gesund.

Bommi

Dresden, 1. April 2020

Brief des Staatsministers vom 30. März 2020

drei Auszüge:

Brief des Staatsministers vom 30. März 2020 - Teil 1

Brief des Staatsministers vom 30. März 2020 - Teil 2

Brief des Staatsministers vom 30. März 2020 - Teil 3

der komplette Brief (5 Seiten): Brief


Liebe Auszubildende des dritten Ausbildungsjahres, es tut mir sehr leid für Sie, dass Ihre für den 29. April 2020 geplanten schriftlichen Prüfungen verschoben werden müssen.

Da die Prüfungen (momentan) für Mitte Juni angesetzt sind, schlage ich vor, die "heiße Phase" der Prüfungsvorbereitung ab Anfang Mai fortzusetzen.

Bis dahin sollten Sie sich auf das Anfertigen Ihrer Projektarbeit konzentrieren. Viel Erfolg dabei.

Bleiben Sie gesund.

Bommi

Dresden, 29. März 2020

die Corona-Meldung der IHK vom 27. März 2020

Liebe Auszubildende, als im Jahre 1806 die Truppen Napoleons in den beiden Schlachten bei Jena und Auerstädt die preußischen und sächsischen Heere vernichtend schlugen und sich anschließend der deutschen Reichshauptstadt Berlin näherten, brach in ganz Deutschland eine Riesenpanik aus. Keiner wusste, wie es weitergeht. In dieser Situation wurde die Devise herausgegeben: "Ruhe ist die erste Bürgerpflicht!"

Wir haben gegenwärtig keinen Krieg, kein Erdbeben, keine Hungersnot, auch kein Ebola, keine Pest, keine Cholera, wir haben alle ein Dach über dem Kopf, haben genug zu essen, wir haben "nur" eine gefährliche, nicht zu unterschätzende Grippe. Schlimm ist, dass wir (noch) kein medizinisches Mittel dagegen haben, aber wir haben doch unsere Klugheit, unsere Besonnenheit und unseren Optimismus. Das heißt, wenn sich jeder hygienisch vernünftig und diszipliniert benimmt, dann sollte der Schaden für alle begrenzbar sein. Also Abstand von anderen Menschen halten. Deshalb ist es eine richtige Entscheidung, Sie zurzeit nicht in die Schule zu holen.

Aber das Lernen sollte - muss! - weitergehen!
Zur Erinnerung: Irgendwann sollen / wollen / müssen Sie die für die Ausübung Ihres Berufs notwendigen Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten erwerben. Irgendwann sollen / wollen / müssen Sie Ihre schriftlichen IHK-Prüfungen absolvieren. Deshalb sollten / wollen (?) / müssen wir in einer anderen Form den Unterricht weiterführen.
Ein Blick in die Geschichte (Ich hoffe, ich nerve Sie damit nicht?) zeigt auch in dieser Frage, dass es in der Vergangenheit weit schlimmere Zeiten gab und unsere Vorfahren diese trotzdem mit Anstand und Augenmaß über- und bestanden. (Also fangen Sie gar nicht erst an zu jammern! Wir packen es an und bestehen die gegenwärtige missliche Situation.) Beispielsweise wurden selbst in der heißen Phase des Zweiten Weltkrieges 1944 Abitur- und Gesellenprüfungen abgehalten. Sogar Frontsoldaten bekamen extra dafür Urlaub und durften an den Prüfungen teilnehmen.
In Dresden war erst nach den verheerenden Angriffen vom 13. bis 15. Februar 1945 die Schulen geschlossen. Aber bereits im Juni 1945 ging es wieder mit Unterricht los - interessanter Weise noch mit den alten Büchern aus der Nazi-Zeit. Die schlimmsten Textstellen waren einfach überklebt worden.
Obwohl der französische Präsident vor wenigen Tagen von "Krieg" sprach, möchte ich ihm entgegenhalten: Es ist kein Krieg, auch kein Atomschlag, kein Erdbeben - es ist "nur" eine sehr, sehr schlimme Grippe. Wenn alle Menschen in Deutschland, in Europa, in der ganzen Welt einfachste Verhaltensregeln beachten, wird sie nicht so dramatisch ausfallen wie die Grippe vor zwei Jahren, als es allein in Deutschland 20.000 Tote gab. Also: Ruhe ist erste Bürgerpflicht. Danach folgen Besonnenheit und Augenmaß! Das Leben geht weiter - das Lernen auch.

Mein Vorschlag lautet: Ab sofort führen wir den GP-Unterricht für alle Klassen (also auch die Klassen, die planmäßig im Ausbildungsbetrieb wären) im Home office durch. Ich werde Sie "in winzig kleinen Portionen" mit Aufgaben (Etwa drei Tage später folgen die Lösungen.) und Lernaufträgen versorgen, die Sie eigenverantwortlich und allein lösen. Sie geben mir regelmäßig Feedback und teilen vor allem mit, wenn Sie nicht weiter wissen, wenn Sie sich fachlich festgefahren haben.
Das Hauptmedium wird mein Skript sein. Ich werde es ständig ergänzen (Sorry! Aber das muss, das wird so werden.), zum Beispiel um Links von youtube. Wenn Sie kurzweilige, zum Thema passende Videos empfehlen können, teilen Sie mir dies bitte mit.
Ich weiß, dass einige von Ihnen zurzeit im Ausbildungsbetrieb arbeiten. Trotzdem sollten Sie den schulischen Anteil an Ihrer Ausbildung nicht vernachlässigen. Keine Angst: Ich weiß, dass GP nur   e i n   Fach ist, Sie also noch weitere und mit den A- und S-Fächern sicherlich auch bedeutsamere Fächer bewältigen.
Irgendwann ist diese Grippe, ist dieser Schei... überstanden und alles geht wieder seinen gewohnten Gang.     ;-)

Ich wünsche Ihnen eine virenfreie Zeit. Bis später.

Bommi (zurzeit Heimarbeiter)     ;-)

Dresden, 16. März 2020

Empfohlenes Video:
Interview mit dem Finanzexperten Ernst Wolff (Dauer: 27:58 Minuten)
Link: https://www.youtube.com/watch?v=v5TkFdYQDYA

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