Martin Luther wird auf der Wartburg versteckt

im Jahr 1521


Luther auf der Wartburg, Sächsisches Realienbuch von 1920, Seite 71
aus: "Sächsisches Realienbuch", 1920, Seite 71 (Rechtschreibung aktualisiert)
Als Luther auf der Rückreise von Worms bei
Eisenach durch den Wald fuhr, sprengten plötzlich fünf verkappte Ritter auf ihn
zu, ergriffen ihn, zogen ihn aus dem Wagen und schleppten ihn mit sich in das Ge-
büsch. Hier setzten sie ihn auf ein Pferd und brachten ihn auf die nahe Wartburg.
Luther zog jetzt die Kleidung eines Ritters an, trug hohe Reiterstiefel, ließ sich
Bart und Haupthaar wachsen und führte den Namen „Junker Georg“. Nur der
Schlosshauptmann kannte ihn. Die verkappten Ritter waren nämlich von Friedrich
dem Weisen geschickt, der den Geächteten auf diese Weise vor den Augen seiner
Feinde zu verbergen wusste. Während man Luther tot glaubte, saß er auf der Wart-
burg und fing an, die Bibel in die deutsche Sprache zu übersetzen, wo-
durch er sich ein unsterbliches Verdienst um das deutsche Volk erworben hat.
Als er etwa ein Jahr auf der Wartburg war, erhielt
er die Nachricht, dass sein Freund und Amtsgenosse Karlstadt in seinem schwärme-
rischen Eifer so weit ging, mit seinem Anhang die katholischen Geistlichen zu ver-
treiben und Heiligenbilder und Altäre zu vernichten. Da hielt es Luther nicht mehr
länger auf der Wartburg. Entrüstet eilte er nach Wittenberg und predigte acht
Tage lang so eindringlich gegen Karlstadt und seine Anhänger, dass diese die Stadt
verlassen mussten.

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