Geschichte Dresdens, Sachsens, Deutschlands

1900 - 1918
19.6.1902
König Albert I. von Sachsen (1828 – 1902) stirbt in Sybillenort (Niederschlesien). Da seine Ehe mit Königin Carola (1833 – 1907) kinderlos blieb, wird sein jüngerer Bruder Georg (1832 – 1904) der sechste König von Sachsen.


9.12.1902


In Dresden kommt es zu einem riesigen Skandal am sächsischen Königshof, nachdem die im Volk sehr beliebte, im Königshaus aber angefeindete und mit Intrigen überladene Erzherzogin Luise von Toskana (1870 - 1947) mit ihrem Liebhaber aus der Stadt flieht.
16.6.1903
Bei der Wahl zum 11. Deutschen Reichstag (397 Sitze) erhält die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) wieder die meisten Stimmen (31,7 %). Aufgrund des Mehrheitswahlrechts erhält sie aber nur 81 Sitze (20,4 %). Im „roten Sachsen“ gewinnt die SPD 22 der 23 Wahlkreise.
22.8.1903 – 18.1.1904
In der Textilarbeiterstadt Crimmitschau („Stadt der 100 Schornsteine“) streiken mehrere Tausend Arbeiterinnen und Arbeiter in Dutzenden Spinnereien, Webereien, Färbereien 21 Wochen lang für die Einführung des 10-Stunden-Tages. Erst 1908 beschließt der Deutsche Reichstag die Einführung des 10-Stunden-Tages.


30.8.1903


In Dresden wird das Bismarck-Denkmal feierlich enthüllt.
12.1.1904
In der deutschen Kolonie Deutsch-Südwestafrika (heute: Namibia) erheben sich die Einheimischen gegen die weißen Siedler. Der Aufstand der Herero wird bis 1908 mit brutaler Härte niedergeschlagen.
15.10.1904
König Georg von Sachsen (1828 – 1904) stirbt in Pillnitz. Sein Nachfolger als siebenter und letzter sächsische König wird sein ältester Sohn Friedrich August III. (1865 – 1932).
21.5.1905
Im Waldpark Klotzsche wird ein König-Albert-Denkmal feierlich eingeweiht.
6.7.1906
Die neue Genfer Konvention wird beschlossen.
25.1.1907
Bei der Wahl zum 12. Deutschen Reichstag (397 Sitze) erhält die Sozial-demokratische Partei Deutschlands (SPD) wieder die meisten Stimmen (28,9 %). Aufgrund des Mehrheitswahlrechts erhält sie aber nur 43 Sitze (10,8 %). Im „roten Sachsen“ gewinnt die SPD acht der 23 Wahlkreise.


Januar 1909


Die Kindsmörderin Frida Martha Helm wird zum Tode verurteilt.
25.1.1909
In Sachsen wird nach massiven Protesten das bisher angewandte indirekte Dreiklassenwahlrecht in ein an Besitz, Bildung und Alter gekoppeltes Mehrstimmenwahlrecht (pro Wähler bis zu vier Stimmen nach Bildung, Besitz und Alter) abgewandelt.
27.8.1910
Auf Initiative von Clara Zetkin (1857 - 1933) beschließt in Kopenhagen die II. Internationale Sozialistische Frauenkonferenz, jährlich einen Internationalen Frauentag zu begehen. Dieser Kampftag für die Rechte der Frauen soll die Forderungen von Millionen Frauen nach Wahlrecht, 8-Stunden-Tag, Lohngleichheit bei gleicher Arbeit sowie Mutter- und Kinderschutz artikulieren. Der erste Frauentag wird am 19. März 1911 begangen - dem Gedenktag für die Märzgefallenen der 1848er Revolution. Ab 1921 gilt der 8. März als "Internationaler Frauentag".
12.1.1912
Bei der Wahl zum 13. Deutschen Reichstag (397 Sitze) erhält die Sozial-demokratische Partei Deutschlands (SPD) wieder die meisten Stimmen (34,8 %), so viel wie noch nie. Aufgrund des Mehrheitswahlrechts erhält sie aber nur 110 Sitze (27,7 %). Im „roten Sachsen“ gewinnt die SPD 19 der 23 Wahlkreise.
18.10.1913
Aus Anlass des 100. Jahrestages der Völkerschlacht (16. – 19.10.1813) weiht Kaiser Wilhelm II. (1859 – 1941) in Leipzig im Beisein fast aller deutschen Landesfürsten – u. a. des Königs Friedrich August III. von Sachsen (1865 – 1932) – das Völkerschlachtdenkmal ein.


14.12.1913


Ein schweres Zugunglück am Harrasfelsen zwischen Chemnitz und Braunsdorf fordert acht Menschenleben.
28.7.1914
Österreich-Ungarn erklärt Serbien den Krieg.
Vorausgegangen war ein Attentat einer bosnisch-serbischen Studentenorganisation, die für die Befreiung Bosnien-Herzegowinas von der österreichisch-ungarischen Besatzung kämpfte und am 28. Juni in der bosnischen Hauptstadt Sarajewo den österreichisch-ungarischen Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich (1863 - 1914) und dessen Frau erschoss. Österreich-Ungarn vermutete hinter diesem Attentat die serbische Regierung, versicherte sich der bedingungslosen Unterstützung durch das Deutsche Reich und setzte Serbien mit unannehmbaren Forderungen (Ultimatum an Serbien vom 23. Juli) unter Druck.
Aus diesem am 28. Juli beginnenden lokalen Krieg zwischen Österreich-Ungarn und Serbien entwickelt sich in den nächsten Tagen durch die Bündnisverpflichtungen der einzelnen Länder ein europäischer Krieg: Deutschland erklärt am 1.8. erklärt Russland den Krieg und Deutschland erklärt am 3.8. Frankreich den Krieg. Da Deutschland für seinen Krieg gegen Frankreich seine Truppen durch die neutralen Länder Belgien und Luxemburg marschieren lassen, erklären Großbritannien und sein weltweites Herrschaftsgebiet am 4.8. Deutschland den Krieg. Spätestens ab jetzt ist es ein Weltkrieg. Am 29.10. begann das Osmanische Reich im Schwarzen Meer mit der Beschießung russischer Küstenstädte und trat damit an der Seite Deutschlands und Österreich-Ungarns in den Krieg ein. Am 6.4.1917 treten schließlich auch die USA in den Krieg ein.

1.8.1914

Deutschland erklärt Russland den Krieg. Dies ist der Beginn des Ersten Weltkrieges, in dem die Mittelmächte (auch: Dreibund, Deutschland mit seinen Verbündeten Österreich-Ungarn und dem Osmanischen Reich, insgesamt 118 Mio. Einwohner) gegen die Entente (Russland, Frankreich, Großbritannien und ab 1917 die USA, insgesamt 278 Mio. Einwohner) kämpfen und der letztlich 9 Mio. Soldaten und 6 Mio. Zivilisten sterben.
2.8.1914
König Wilhelm II. (1859 - 1941) ruft das ganze deutsche Volk, auch das Königreich Sachsen, zu den Waffen. Die sächsische Armee wird als 3. Deutsche Armee eingesetzt und tritt letztmalig mit einer eigenen Armee auf. Von 750.000 sächsischen Soldaten fallen 229.000.
4.8.1914
Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) stimmt im Deutschen Reichstag der Bewilligung der Kriegskredite zu.
23.8.1914
Die am Überfall deutscher Truppen auf das neutrale Belgien beteiligte Königlich-Sächsische Armee (3. Armee) unter Generaloberst Max Clemens Lothar Freiherr von Hausen (1846 – 1922) verübt in der belgischen Kleinstadt Dinant ein Massaker, tötet 674 Zivilisten und zerstört zwei Drittel der 1.800 Häuser. Erst 2001 erkannte die Bundesregierung dieses Massaker als Kriegsverbrechen an.

26. - 30.8.1914

In der Schlacht bei Tannenberg besiegen 153.000 deutsche Soldaten unter den Oberbefehlshabern General Paul von Hindenburg (1847 - 1934) und Genral Erich Ludendorff (1865 - 1937) zwei 191.000 Soldaten starke russische Armeen. Dabei sterben 3.436 deutsche Soldaten. Auf russischer Seite sind 30.000 Gefallene oder Verwundete sowie 95.000 in Gefangenschaft geratene Soldaten zu beklagen.

4.10.1914

Prominente Künstler und Wissenschaftler, darunter 13 Nobelpreisträger, verneinen im Manifest der 93 an die Kulturwelt mit einem sechsfachen "Es ist nicht wahr" deutsche Kriegsverbrechen und die Alleinschuld Deutschlands am Ersten Weltkrieg.
2.12.1914
Als einziger Abgeordneter stimmt Karl Liebknecht (SPD) im Deutschen Reichstag gegen die Bewilligung der Kriegskredite.


22.4.1915


Die deutsche Armee setzt bei Ypern (Belgien) erstmals in der Kriegsgeschichte Giftgas ein. Dabei sterben etwa 5.000 Soldaten und werden etwa 20.000 schwer verletzt.
1.5.1916
In Dresden, Leipzig, Pirna und Chemnitz demonstrieren die Menschen für Frieden.


31.5. - 1.6.1916


In der Seeschlacht vor dem Skagerrak sterben 2.551 deutsche und 6.094 britische Seeleute.
2.11.1916
Der Frust der deutschen Bevölkerung über den andauernden Krieg entlädt sich in "Frieden! Frieden!"-Rufen während einer Antikriegsdemonstration in Berlin.


28.12.1916


In der Dresdner Albertstadt fordert eine gewaltige Explosion in der Munitionsfabrik elf Menschenleben.


9.1.1917


Die deutsche Oberste Heeresleitung beschließt, den U-Boot-Krieg uneingeschränkt wieder aufzunehmen.


8.2.1917


Der Präsident des Kriegsernährungsamtes erlaubt ab sofort das Verwenden von Futterrüben beim Herstellen von Brotteig. ("Kohlrübenwinter")


6.4.1917


Die USA erklären ihren Kriegseintritt gegen das deutsche Kaiserreich.
6. - 8.4.1917
In Gotha wird die USPD gegründet.
24.10.1918
Als die deutsche Seekriegsleitung befiehlt, die vor Wilhelmshaven ankernde deutsche Kriegsflotte solle gegen die britische Royal Navy in eine letzte Schlacht auslaufen, meutern einige Schiffsbesatzungen. Die Matrosen sind kriegsmüde und wollen angesichts der feststehenden Kriegsniederlage Deutschlands nicht den sinnlosen Märtyrertod sterben. Diese Schiffe werden nach Kiel zurückbeordert. In Kiel verbrüdern sich die meuternden Matrosen mit den ebenfalls kriegsmüden Arbeitern ("Kieler Matrosenaufstand"). Das wird zum Auslöser der Revolution von 1918/19 (nicht zutreffend ist die Bezeichnung "Novemberrevolution").
6.11.1918
In der Fliegerkaserne in Großenhain wählen 3.000 Soldaten der Fliegerkaserne den ersten Soldatenrat Sachsens als Antikriegsorgan.
7.11.1918
Die Mehrheitssozialisten (MSPD) stellen ein Ultimatum und fordern die sofortige Abdankung von Kaiser Wilhelm II. (1859 - 1941).
8.11.1918
In Dresden, Leipzig, Chemnitz und weiteren Städten übernehmen Arbeiter- und Soldatenräte die Macht. Dies ist der Beginn der Revolution. Der sächsische König Friedrich August III. (1865 - 1932) flieht nach Schloss Moritzburg.
9.11.1918
Gegen Mittag verkündet Reichskanzler Max von Baden (1867 – 1929) eigenmächtig die Abdankung des deutschen Kaisers Wilhelm II. (1859 – 1941) und den Thronverzicht des Kronprinzen Wilhelm von Preu0en (1882 – 1951) und übergibt sein Amt dem Führer der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) Friedrich Ebert (1871 - 1925).
Um 14 Uhr verkündet Philipp Scheidemann (SPD, 1865 - 1939) die "deutsche Republik".
Um 16 Uhr proklamiert Karl Liebknecht (KPD, 1871 - 1919) die "freie sozialistische Republik Deutschland".
10.11.1918
In Sachsen erklärt der neugebildete Vereinigte Revolutionäre Arbeiter- und Soldatenrat (Rechte, Zentrum und SPD) den sächsischen König Friedrich August III. 1865 - 1932) für abgesetzt und die Monarchie für beendet. Der SPD-Politiker Hermann Fleißner (1865 – 1939) ruft im Zirkus Sarrasani am Königin-Carola-Platz (heute: Carola-Platz) den Freistaat Sachsen als Republik Sachsen aus.
11.11.1918
Mit der Unterzeichnung des Waffenstillstandsabkommens durch Matthias Erzberger (1875 – 1821) und den Oberbefehlshaber der Entente Ferdinand Foch (1851 – 1929) in einem Eisenbahnwaggon im Wald von Compiègne bei Paris endet der Erste Weltkrieg.
12.11.1918
Mit ihrem "Aufruf an das deutsche Volk" verkündet die deutsche Regierung, dass vom 1. Januar 1919 an der achtstündige Arbeitstag sowie das freie, geheime, aktive und passive Wahlrecht für Frauen und Männer ab 20 Jahre gelten soll.
13.11.1918
In Dresden konstituiert sich der Zentrale Arbeiter- und Soldatenrat für Sachsen.
Der sächsische König Friedrich August III. (1865 – 1932) dankt auf Schloss Guteborn bei Ruhland ab, angeblich mit den Worten „Machd doch eiern Dregg alleeene!“
14.11.1918
In Sachsen konstituiert sich der "Rat der Volksbeauftragten" unter Führung von Richard Lipinski (USPD, 1867 - 1936). Ihm gehören je drei Mitglieder der SPD und USPD an.
15.11.1918
Die Großindustriellen und die Gewerkschaften vereinbaren im "Stinnes-Legien-Abkommen" die Anerkennung der Koalitionsfreiheit, die Regelung der Arbeitsbedingungen in Tarifverträgen und die tägliche Arbeitszeit bei maximal acht Stunden.
15.11.1918
Der "Rat der Volksbeauftragten" unter Führung von Richard Lipinski (USPD, 1867 - 1936) übernimmt als erste sächsische Staatsregierung die Macht.
28.11.1918
In Sachsen wird das allgemeine, gleiche, unmittelbare und geheime Verhältniswahlrecht für Frauen und Männer über 21 Jahre eingeführt.
6.12.1918
Durch Gardesoldaten werden in Berlin 16 Demonstranten getötet.
24.12.1918
Die "Weihnachtskrise" führt zum Ausscheiden der USPD aus der Regierung.

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