Die Polizei verhaftet in Dresden zahlreiche KPD-Stadträte

am 1. März 1933


Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat vom 28.2.1933
Artikel im ´Dresdner Anzeiger´ vom 2.3.1933
Die Tageszeitung der Deutschen Staatspartei "Dresdner Anzeiger"
berichtet am 2. März 1933.

Auch Sachsen greift durch

Dresden, 1. März

Auf Grund der Notverordnung des
Reichspräsidenten vom 28. Februar 1933 werden
bis auf weiteres für das Gebiet des Freistaates
Sachsen verboten:

    1.) Alle Versammlungen (öffentliche
und nichtöffentliche) der KPD und ihrer Hilfs-
und Nebenorganisationen.

    2.) Alle periodischen Druckschriften,
sonstige Druckschriften, Flugblätter und An-
schläge der KPD und ihrer Hilfs- und Neben-
organisationen. Vorhandene Anschläge sind zu
beseitigen oder unkenntlich zu machen.

Artikel im ´Dresdner Anzeiger´ vom 2.3.1933

Neue Maßnahmen in Dresden

Dresden, 1. März

Das Presseamt des Polizeipräsidiums
teilt mit:
Alsbald nach dem Bekanntwerden der
neuesten Verordnung des Reichspräsidenten
zum Schutz von Volk und Staat sind seitens
des Polizeipräsidiums weitere scharfe Maß-
nahmen gegen die kommunistische Gefahr
in die Wege geleitet worden.
Mit einem starken Aufgebot der in diesen
Tagen durch andere Beamte wesentlich ver-
stärkten Politischen Polizei und uniformierten
Beamten haben heute in den frühen Morgen-
stunden Durchsuchungen bei etwa 40 hiesigen
kommunistischen Funktionären und anderen An-
gehörigen der KPD, die dem Polizeipräsidium
durch Betätigung besonderer Art bekannt sind,
stattgefunden.
Im Anschluss an die Durchsuchungen sind
diese Leute, soweit sie angetroffen wurden, in
Schutzhaft genommen worden. Unter den in
Schutzhaft Genommenen befinden sich u. a.
mehrere frühere Schutzpolizeibeamte, der be-
kannte kommunistische Rechtsanwalt Dr. Helm,
Berufsschuloberlehrer Schrapel und Stadt-
rat Gruner.

Die Tageszeitung der Deutschen Staatspartei
"Dresdner Anzeiger" berichtet am 2. März 1933.
Dr. Rolf Helm (1896 - 1979) entstammt einer wohlhabenden bürgerlichen Familie, studierte Jura, trat 1921 in die KPD ein und war von 1924 bis 1933 Stadtverordneter in Dresden. Nach seiner Verhaftung am 1.3. war er bis zum 17.11.1933 "Schutzhäftling" in der "Mathilde" in Dresden und im KZ Colditz (Westsachsen). Danach erhielt er Berufsverbot. Ab 1.12.1947 war er Generalstaatsanwalt in Sachsen, ab 1949 bis 1951 von Groß-Berlin.
Alfred Schrapel (1885 - 1945) entstammt einer Arbeiterfamilie, wurde Lehrer und trat 1919 der KPD bei. Seit 1921 war er im Dresdner Stadtrat tätig. Nach seiner Verhaftung am 1.3.1933 erhielt er Berufsverbot. Er starb bei den Luftangriffen am 13.2.1945.
Paul Gruner (1890 - 1947) arbeitete als Schlosser und trat 1918 der USPD bei. 1920 wechselte er in die KPD. 1921 wurde er ins Dresdner Stadtparlament gewählt, ab 1922 war er Stadtrat. Nach seiner Verhaftung am 1.3. war er bis zum 5.7.1933 "Schutzhäftling" im KZ Hohnstein. Danach wurde er noch mehrmals verhaftet und in verschiedene KZ gebracht.

zurück zur Startseite