Schild am Stadtrand

Die Schlacht bei Lucka

Lucka, am 31. Mai 1307

Die Schlacht bei Lucka war sehr grausam.
aus: "Mysteriöses um die Wettiner" von Sebastian von Tschornow, 2007, Seite 14
Stadtwappen von Lucka

In der Schlacht bei Lucka (auch: Schwabenschlacht) besiegte der Wettiner Friedrich der Gebissene (1257 – 1323, auch: Friedrich der Freidige ) ein Heer des römisch-deutschen Königs Albrecht I. (1255 – 1308) aus dem Haus Habsburg und sicherte damit die Herrschaft der Wettiner in Mitteldeutschland.


der Wettiner Brunnen in Lucka
Tafel am Wettiner Brunnen in Lucka
Der Wettinerbrunnen in Luckau
aus: Günter Naumann: Geschichte in Daten - Sachsen, 2003, Seite 53
aus: Günter Naumann: Geschichte in Daten - Sachsen, 2003, Seite 53

Seiten 39 und 40
Folgendes Tages - war der 31. Mai -
geschah der Aufbruch, wozu ein Zeichen
gegeben wurde. Als sie nun bei Lucka an
des Feindes Lager kommen, haben die bei-
den Markgrafen das Volk in eine
Schlachtordnung gestellet und das Ost-
ländische Fußvolk zwar zum Vorzug,
das Meißnische aber zum Nachzug ver-
ordnet, die Meißnische und Ostländische
Reiterei aber zum rechten und linken Flü-
gel und den Braunschweigischen Zusatz
zum Hinterhalt gestellet, damit auf dem
Notfall sie die anderen entsetzen konnten.
Die Feinde hatten schon Kundschaft
eingezogen, dass beide Markgrafen mit ei-
nem in Eile zusammen gerafften Kriegs-
volk wider sie im Anzug begriffen: weil
sie aber dasselbige als einen geringen und
unerfahrenen Haufen verachteten, haben sie
sich desto langsamer aus ihrem Lager erho-
ben, daher ihnen die Ostländer so geschwin-
de auf den Hals kommen, dass sie kaum
Zeit gehabt, in Ordnung zu stellen. Da-
zumal hat Markgraf Friedrich ihm sei-
nen Helm, welcher mit zwei vergoldeten
Löwen, nämlich dem Meißnischen und Ost-
ländischen, geziehret war, geben, und in-
dem er ihn aufsetzet, diese Worte von
sich hören lassen: "Nun wohlan, jetzt setze
ich Meißen und das Ostland, und was mir
sonst erblich, und von rechtswegen zusteht
auf mein Haupt und will Gott und die-
ser vorstehenden Feldschlacht, alles an-
heim gegeben haben." (Welche Worte
damals in folgende Reime sind gebracht
worden:
"Heut binde mir auf Meißen
Auch Thüringen und Pleißen.
Alles was meiner Eltern ward
Gott helfe mir zu dieser Fahrt
Als wir von Gott und Recht haben
Damit will ich an die Schwaben.")
Darauf hat er sich Gott befohlen, die
Lanze eingelegt und spornstreichs auf
die Feinde zugerennet, dem dann von den
Ostländern fünf Fahnen gefolget, und den
Feind ganz unerschrocken angegriffen. Ob
nun zwar die Feinde sich eine Zeitlang ta-
pfer gewehret und den Ostländern großen
Widerstand getan, haben sie doch letztlich,
als Markgraf Diezmann die Meißner
auch angeführet, nicht den Stand halten kön-
nen, sondern sich allgemach zurück gezogen
und letztlich die Flucht ergriffen. Diese
Schlacht hat über 5 Stunden gewähret,
und haben darinnen die Ostländer und
Meißner eifrig gestritten, dass sie nie-
mand gefangen genommen, sondern alles
erstochen und niedergehauen, als dass das
Feld mit Toten ist bedeckt worden. Da
aber die Feinde zu weichen angefangen, hat
Markgraf Friedrich die Reiterei auch
ansetzen lassen, welche denn mit großer
Freudigkeit angefallen, und so tapfer ge-
fochten, dass die Feine das Feld endlich
räumen, alle Kriegsrüstung, Munition
und Bagage in Stich lassen, und mit der
Flucht sich retten müssen. Die Flüchtigen
haben die Meißner und Ostländer samt
dem Braunschweigischen Zusatz auf etliche
Meilen verfolget, und was sie davon ange-
troffen, ohne Barmherzigkeit niederge-
hauen, daher eine solche Furcht den Flie-
henden ankommen, dass sie nicht gewusst,
was sie vornehmen sollten, und viele aus
Angst und Schrecken ihre Pferde nieder-
gestochen, ausgeweidet, und sich darin
verborgen. Von dem Österreichischen,
Bayerischen und Schwäbischen Fuß-
volk ist wenig davongekommen, sondern
fast alles, wie auch 1.800 Reiter im Stich
und tot blieben, aber nicht über 300 gefan-
gen worden. Beide Teile haben gegen-
einander mit solchem Eifer und Nach-
druck gefochten, dass man das Geräusche
und Krachen der Waffen, und das Ge-
schrei und Getümmel der Streitenden, zu
Pegau (welches eine Meile Weges davon
gelegen) eigentlich hat hören und verneh-
men können. Von dieser Schlacht schrei-
ben die Historienschreiber einmütiglich,
dass 60 Schock, das ist 3.600 Schwaben
auf der Walstatt blieben, und ist daher
auch das alte Sprichwort entsprungen,
welches man wider diejenigen zu gebrauchen
pfleget, denen man großes Unglück andeu-
ten will: Es wird ihnen gehen wie
den Schwaben bei Lucka. Nach er-
haltenem Sieg hat Markgraf Friedrich
dem Rat zu Leipzig solches eilends zu wis-
sen getan, da denn ein großes Frohlocken
bei manniglich entstanden, und alles in der
Stadt gebliebene Volk, Mann und
Weib, Eltern und Kinder, haufenweise
zum Peters-Tor hinaus, und den mit
Sieg und Triumph zurückkommenden
Bürgern und Soldaten entgegen gelau-
fen, und sie mit Freuden empfangen. We-
nige Tage danach ist ein öffentliches
Dankfest angestellet, Gott für verliehe-
nen Sieg und Errettung von der Feinde
Grausamkeit herzlich gedanket, und von
den erlangten Beuten, alle Kirchen und
Klöster reichlich beschenket und gezieret
worden.





aus: "Leipziger Geschichts-Buch", 1756, Seiten 39 und 40 (Rechtschreibung aktualisiert)

aus: ´Das goldne Buch vom Vaterlande´, Löbau: Walde, 1859, Seite 305
aus: ´Das goldne Buch vom Vaterlande´, Löbau: Walde, 1859, Seite 306
Albrecht,
der deutsche Kaiser, dem der Markgraf von Thüringen, Albrecht der Entartete,
sein Land verkauft hatte, um seine Söhne zu enterben, zog mit gewaltiger Heeres-
macht von Altenburg über Lobstädt und Rötha gegen Leipzig, wo sich die
beiden Markgrafen Friedrich und Diezmann aufhielten, um es zu belagern.

In Leipzig hatten sich Alle versammelt, welche treu an den beiden rechtmäßigen
Fürsten hielten. In den Kirchen empfingen die Streiter das heilige Abendmahl,
Jungfrauen und Frauen lagen vor den Altären, Gott um Sieg anflehend. Dann
versammelten sich die Bürger auf offenem Markte, Friedrich und Diezmann
traten unter sie und der Erstere hielt eine feurige begeisternde Rede. Ein Freuden-
geschrei und der einstimmige Schwur, zu siegen oder zu sterben, war Aller Antwort.
Am folgenden Tag, den 31. Mai 1307, zogen sämmtliche Kämpfer, das osterländische
Fußvolk, unter dem die Leipziger sich befanden, an der Spitze, aus der Stadt. Das
meißnische Fußvolk deckte den Rücken; die Reiterei der beiden Marken war auf beide
Flügel vertheilt und die Braunschweiger, 300 wohl gewappnete Reiter, wurden in
einen Hinterhalt gelegt. Im kaiserlichen Lager bei Lucka im Altenburgischen lachte
und spottete man über das zusammengeraffte Häuflein, aber das Blatt wendete sich
häßlich. Wie vom Sturme überrast, fiel das kaiserliche Heer unter den Streichen
der Markgräflichen. Bald war das Feld mit unzähligen Todten bedeckt und die
Flucht eine kopflose. Beinahe das ganze kaiserliche Fußvolk lag todt auf dem Platze,
es sollen 3600 gewesen sein, außerdem machten die Markgräflichen noch 300 Gefangene.
Der Lärm bei dieser Schlacht soll so groß gewesen sein, daß man sogar zu Pegau
ein Summen davon in der Stadt vernahm. Eilboten brachten die Siegesbotschaft
nach Leipzig und alles Volk, Weiber, Greise, Kinder zogen zu Hauf durch das Thor
St. Peters auf der Straße nach Altenburg, die heimkehrenden Sieger zu empfangen.
Nur noch nach Pegau zogen die Sieger, um die Stadt und den Abt zu züchtigen,
weil Beide den Kaiser unterstützt hatten. Stadt und Kloster wurden geplündert und
zum größten Theil verbrannt.


aus: "Das goldne Buch vom Vaterlande", Löbau: Walde, 1859, Seiten 305 und 306