Geschichte Dresdens im 17. Jahrhundert



9.10.1601


Der ehemalige Kanzler des sächsischen Kurfürsten Dr. Nikolaus Krell (1550 – 1601) wird in Dresden hingerichtet.
1603
Auf Anordnung des Rates der Stadt Dresden erfolgt eine Volkszählung: 14.793 Menschen leben in Dresden.
1607
Obwohl Kurfürst Christian II. (1583 – 1611) bereits am 6. Oktober 1606 mehrere Verordnungen zur Eindämmung der Pest erließ, wird Dresden auch in diesen Jahren mehrfach von ihr heimgesucht. Allein 1607 sterben 375 Menschen.

23.6.1611

Kurfürst Christian II. von Sachsen (1583 – 1611) frönte gern und ausgiebig Ritterspielen, Tafelfreuden und der Trunksucht und stirbt im Alter von nur 27 Jahren, als er nach einem Wettrennen stark übersitzt zu viel kaltes Bier trinkt und einen Hirnschlag erleidet.
8.11.1620
In der Schlacht am Weißen Berg in der Nähe von Prag besiegen 40.000 Soldaten der Katholischen Liga und der kaiserlichen Armee unter der Führung des Herzogs von Bayern Maximilian I. (1573 – 1651) etwa 13.000 Soldaten des protestantischen Böhmens und der Kurpfälzischen Armee unter der Führung des Fürsten von Anhalt-Bernburg Christian I. (1568 – 1630). Dies ist die erste große Schlacht des Dreißigjährigen Krieges (1618 – 1648). Dabei sterben 700 Katholische und 5.000 Protestanten.
1626
In Dresden sterben 341 Menschen an der Pest.
1630
In Dresden sterben mindestens 100 Menschen an der Pest.
30.5.1631
Etwa 500 kroatische Reiter versuchen vergeblich, Altendresden zu erobern.
2.11.1632
Die sächsische Armee befindet sich in einem sehr schlechten Zustand und zieht sich nach Schlesien zurück. Damit ist Sachsen schutzlos den Eroberern ausgesetzt. Kampflos zieht das kaiserlich-katholische Heer von Wallenstein (1583 – 1634) in Leipzig ein. In Dresden hofft man auf die Hilfe der schwedisch-protestantischen Armee von Gustav II. Adolf von Schweden (1594 – 1632).
17.9.1631
In der ersten Schlacht bei Breitenfeld (in der Nähe von Leipzig) schlagen 47.000 protestantische schwedische und sächsische Soldaten unter Führung von König Gustav II. Adolf von Schweden (1594 – 1632) und Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen (1585 – 1656) die katholischen kaiserlichen Truppen (40.000 Soldaten) unter Graf Johann T´Serclaes von Tilly (1559 – 1632) vernichtend. Etwa 7.000 kaiserliche sowie 2.500 schwedische und 1.500 sächsische Soldaten werden getötet oder verwundet.

16.11.1632

In der Schlacht bei Lützen (in der Nähe von Leipzig) besiegen die protestantischen Schweden (19.000 Soldaten) unter König Gustav II. Adolf von Schweden (1594 – 1632) die katholische kaiserliche Armee (17.000 Soldaten) unter Albrecht von Wallenstein (1583 – 1634). Dabei fallen der schwedische König sowie 3.400 schwedische und 3.000 kaiserliche Soldaten.
1634
Das Wallensteinsche Heer rückt in die Oberlausitz ein und besetzt die Städte Görlitz und Bautzen. Oberst Golz lässt Bautzen völlig niederbrennen, als sich ein starkes sächsisches Heer nähert. Dabei sterben 600 Einwohner.
5. und 6.9.1634
In der Schlacht bei Nördlingen besiegen etwa 50.000 Soldaten der Katholischen Liga unter Führung von Prinz Ferdinand von Spanien (1609 – 1641), Ferdiand III. von Ungarn (1608 – 1657) und Kurfürst Maximilian von Bayern (1573 – 1651) etwa 25.000 schwedische Soldaten unter Führung von Bernhard Herzog von Sachsen-Weimar (1604 – 1639) und Graf Gustav Karlsson Horn (1592 – 1657). Dabei sterben etwa 8.000 Soldaten auf protestantischer Seite und 1.200 auf katholischer Seite.
30.5.1635
Nach dem Tod des protestantischen Königs Gustav II. Adolf von Schweden (1594 – 1632) in der Schlacht bei Lützen (16.11.1632) und dem Sieg der katholischen Kaiserlichen in der Schlacht bei Nördlingen (6.9.1634) wechselt Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen (1585 – 1656) von der protestantischen auf die katholische Seite und schließt nach langen Verhandlungen mit dem katholischen Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Ferdinand II. (1578 – 1637) in Prag einen Friedensvertrag, den Frieden zu Prag.
Als Gegenleistung für den Wechsel Sachsens auf die katholische-kaiserliche Seite erhält Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen (1585 – 1656) vom Kaiser die bisher zu Böhmen gehörende Ober- und Niederlausitz.
Die Schweden als ehemaliger Bündnispartner der Sachsen rächen sich für die Abkehr mit wiederholten Plünderungen und Verwüstungen im Sachsenland.
4.10.1636
In der Schlacht bei Wittstock besiegen 16.000 schwedische Soldaten unter dem Kommando der Feldherren Johan Banér (1596 – 1641) und Alexander Leslie (1580 – 1661) ein 22.000 Soldaten starkes kaiserlich-sächsisches Heer unter der Führung von Feldmarschall Melchior Graf von Hatzfeldt (1593 – 1658) und dem Kurfürsten Johann Georg I. von Sachsen (1585 – 1656). Dabei starben etwa 6.000 Menschen.
6.6.1637
Im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges (1618 – 1648) erstürmen und brandschatzen die Schweden unter General Banér die Stadt Meißen.
Bet´, Kinder, bet´!
Morgen kommt der Schwed´.
Morgen kommt der Ochsenstern.
Der wird die Kinder beten lehren.
Bet´, Kinder, bet´.
Der schwedische Graf Axel Oxenstierna (1583 – 1654, deutsch gesprochen: Ochsenstern) übernahm nach dem Tod von König Gustav II. Adolf von Schweden am 16.11.1632 in der Schlacht bei Lützen die politische Führung Schwedens.
1637
In Dresden sterben mindestens 1.096 Menschen an der Pest.


23.4.1639


Nachdem schwedische Truppen unter Feldmarschall Johan Banér (1596 – 1641) die Stadt Pirna erstürmten, plündern, vergewaltigen und morden die Soldaten bis zu ihrem Abzug am 25. September 1639 so schlimm, dass diese Zeit das Pirnaer Elend genannt wird.
18.5.1639
Die Stadt Bautzen wird belagert, erpresst und besetzt durch 8.000 Reiter unter Führung des schwedischen Generals Graf Lennart Torstensson (1603 – 1651). Dann rücken sächsische Truppen an, nehmen die Stadt ein. Schließlich kommen wieder die Schweden ... und mittendrin leiden die Bautzener Einwohner unter den verschiedenen Besatzungen.
25.6.1639
Die schwedischen Besatzer hausen ganz schlimm in Sachsen, sie plündern, morden und brennen nieder. Am 25. Juni tauchen sie ganz in der Nähe Dresdens auf.
1640
In Dresden sterben mindestens 235 Menschen an der Pest.
2.11.1642
In der zweiten Schlacht bei Breitenfeld (in der Nähe von Leipzig) schlagen 15.000 protestantische schwedische Soldaten unter Führung von Feldmarschall Graf Lennart Torstensson (1603 – 1651) die sächsisch-kaiserlichen Truppen (18.000 Soldaten) unter General Octavio Piccolomini (1599 – 1656) vernichtend. Etwa 4.000 schwedische und 5.000 kaiserlich-sächsische Soldaten werden getötet oder verwundet. Am Ende der Schlacht ergeben sich 4.500 Kaiserlich-Sächsische den Schweden. Alle Kanonen, Feldzeichen und selbst die Kriegskasse fallen in die Hände der Schweden. Piccolomini entgeht nur knapp der Gefangennahme und lässt danach alle höheren Offiziere des linken Flügels, die seiner Meinung nach feige geflohen waren und dadurch die Niederlage verursachten, köpfen, die niederen Offiziere hängen und die Mannschaften durch Erschießen dezimieren.


5.12.1644


Die unter der Belagerung leidende Stadt Pegau (25 km südlich von Leipzig) rettet sich durch einen Bittgang des Pegauer Superintendenten Lange mit den Knaben der Stadt zum schwedischen Feldherrn Graf Lennart Torstensson (1603 – 1651) vor der völligen Zerstörung.


8.8.1645


Im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges (1618 – 1848) belagern und besetzen schwedische Truppen unter General Königsmark die Stadt und die Burg Meißen.

6.9.1645

In Kötzschenbroda bei Dresden unterzeichnen der sächsische Kurfürst Johann Georg I. (1585 – 1656) und der schwedische General Lennart Torstensson (1603 – 1651) einen Vertrag über den sofortigen Waffenstillstand. Damit enden alle Kriegshandlungen in Sachsen. Trotzdem belasten die schwedischen Truppenmärsche durch Sachsen sowie die hohen Kontributionen das Land schwer. Erst 1650 verlassen die schwedischen Besatzungstruppen Sachsen.
1647
Schwedische Freischärler unter Oberst Wanke versuchen, Dresden zu plündern und den Kurfürsten zu ermorden. Doch die Dresdener werden rechtzeitig gewarnt.
15.5. – 24.10.1648
In Münster und Osnabrück beenden Verhandlungen (auch: "Westfälischer Friede", "Westfälischer Friedensschluss") die 30 Jahre verheerend in Deutschland wütenden Kriegshandlungen. Endlich ist Frieden in Deutschland. Unterschrieben werden die Verträge am 24. Oktober 1648 vom römisch-deutschen Kaiser Ferdinand II. (1608 – 1657), vom minderjährigen (!) französischen König Ludwig XIV. (1638 – 1715) und Königin Kristina von Schweden (1626 – 1689, zweite Tochter des in der Schlacht bei Lützen gefallenen schwedischen Königs Gustav II. Adolf).
8.10.1656
Der sächsische Kurfürst Johann Georg I. stirbt in Dresden. Unter ihm waren sächsische Soldaten an der Belagerung und schrecklichen Verwüstung Magdeburgs durch kaiserlich-katholische Truppen im Mai 1631 beteiligt. Nach dem Einmarsch und Plünderungen druch kaiserliche Truppen in Kursachsen wechselte er im gleichen Jahr auf die protestantische Seite und besiegte mit den Schweden in der Schlacht bei Breitenfeld die kaiserlich-katholische Liga. Nach dem Tod des protestantischen Schweden-Königs Gustav II. Adolf in der Schlacht bei Lützen und dem Sieg der katholischen Kaiserlichen in der Schlacht bei Nördlingen (6.9.1634) wechselte Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen von der protestantischen auf die katholische Seite. Damit zog er sich den Hass der Schweden zu, die in Sachsen einmarschierten und schlimm wüteten.
Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen war entscheidungsschwach, es mangelte ihm an feiner Sitte und er galt als trunksüchtig ("Bierjörge").


Sommer 1657


Der deutsche Politiker, Physiker und Erfinder Otto von Guericke (1602 – 1686) demonstriert in Magdeburg mit einem spektakulären Experiment (die "Magdeburger Halbkugeln") die Wirkung des Luftdrucks.
1659
Aufstand der Freiberger Bergleute
1.5.1660
In Leipzig erscheint die erste Zeitung Sachsens, die "Leipziger Zeitung". Sie erscheint bis 1921 ununterbrochen, wird 1921 mit der "Leipziger Allgemeinen Zeitung" und 1926 mit dem "Leipziger Tageblatt" zur "Neuen Leipziger zeitung" zusammengeschlossen.
24. und 25.6.1660
In Dresden findet das traditionelle Vogelschießen statt.
9.3.1668
Kurfürst Johann Georg II. (1613 – 1680) besiegelt gemeinsam mit C. W. Lüttichau und C. Schindler die erste Innungsverordnung der Dresdner Kleinuhrmacherinnung.
1680
In Dresden wütet die Pest – letztmalig. Es sterben 5.114 Menschen, etwa ein Drittel der Dresdner Bevölkerung.


1.9.1680


Kurfürst Johann Georg II. von Sachsen (1613 – 1680) stirbt in Freiberg.

12.9.1683

In der Schlacht am Kahlenberg bei Wien schlagen Truppen Österreichs, Polen-Litauens, Sachsens, Bayerns, Badens, Venedigs und des Kirchenstaates (insgesamt 80.000 Soldaten) das türkische Heer (100.000 Soldaten). Damit endet die türkische Belagerung von Wien. Kurfürst Johann Georg III. von Sachsen (1647 – 1691) führt das 9.000 Soldaten starke sächsische Kontingent.
28.3.1685
Kurfürst Johann Georg III. von Sachsen (1647 – 1691) vermietet per Vertrag drei sächsische Regimenter (3.000 Soldaten) unter Oberst von Schönfeld für 120.000 Taler zwei Jahre lang an die Republik Venedig für deren Krieg in Morea (auch: Peloponnes in Griechenland). Nur ein Viertel der Soldaten kehrt 1687 nach Sachsen zurück. Georg III. von Sachsen (1647 – 1691) verwendet die 120.000 Taler Subsidien für die Auslösung der von ihm begehrten und entführten Sängerin Margherita Salicola (1660 – 1717) aus ihrem Vertrag mit dem Herzog von Mantua Ferdinando Carlo von Gonzaga-Nevers (1652 – 1708), weil dieser ihn bereits bedroht, zum Duell fordert und die Verwandten der Sängerin inhaftierte und misshandelte.


6.8.1685


In Dresden zerstört ein verheerender Brand über 300 Häuser.
1686
Kurfürst Johann Georg III. von Sachsen (1647 – 1691) vermietet 5.000 sächsische Soldaten für 300.000 Taler Subsidien an den habsburgischen Kaiser Leopolds I. (1640 – 1705) für dessen Krieg gegen die Türken.


22.9.1691


Kurfürst Johann Georg III. von Sachsen (1647 – 1691) stirbt in Tübingen an der Pest.


27.4.1694


Kurfürst Johann Georg IV. von Sachsen (1668 – 1694) stirbt an den Blattern. Er hatte sich bei seiner Mätresse Magdalena Sibylla von Neidschütz (1675 – 1694) angesteckt, als er sie auf dem Totenbett küsste.
26.8.1697
In der Schlacht bei Olasch (auch: Schlacht an der Bega) kämpfen ein 38.000 Soldaten starkes Heer des Heiligen Römischen Reiches unter der Führung des sächsischen Kurfürsten Friedrich August I. von Sachsen (1670 – 1733) gegen ein 60.000 Soldaten starkes Heer des Osmanischen Reiches unter Führung des Sultans Mustafa II. (1664 – 1704) gegeneinander. Die Schlacht endet letztlich unentschieden, kostet aber 3.000 kaiserlichen und 4.000 türkischen Soldaten das Leben. Die kaiserlichen Generale beschuldigen den sächsischen Kurfürst, er sei während der Schlacht betrunken gewesen.
15.9.1697
Kurfürst Friedrich August I. von Sachsen (1670 – 1733) wird in Krakau als August II. zum König von Polen gekrönt. Im katholischen Wahlkönigreich Polen wurde am 26. und 27. Juni 1697 in Warschau ein neuer König gewählt, nachdem der König von Polen Johann III. Sobieski (1629 – 1696) gestorben war. Mit riesigen Bestechungsgeldern an den polnischen Adel und dem heimlichen Übertritt zum katholischen Glauben am 1. Juni 1697 schaffte es der sächsische Kurfürst, sich endlich zum König - allerdings nicht von Sachsen, sondern von Polen - wählen zu lassen.
25.9.1699
In Dresden schließen der dänische General Christian Detlev von Reventlow (1671 – 1738) und der sächsische Generalleutnant Jacob Heinrich Reichsgraf von Flemming (1667 – 1728) ein geheimes dänisch-sächsisches Bündnis, in dem sich Sachsen zur Allianz gegen Schweden verpflichtet.