Nikolaus Krell wird hingerichtet

Dresden, am 9. Oktober 1601

aus ´Sächsische Zeitung´ vom 15. Juni 2019, Seite 23
aus: "Sächsische Zeitung" vom 15. Juni 2019, Seite 23

Der Königstein und seine Gefangenen, Seite 23
Der Königstein und seine Gefangenen, Seite 24
Quelle: Gunter Pirntke: Der Königstein und seine Gefangenen, 2014, Seiten 23 und 24 (gekürzt)

Der Königstein und seine Gefangenen, Seite 32
Der Königstein und seine Gefangenen, Seite 33

Quelle: Gunter Pirntke: Der Königstein und seine Gefangenen, 2014, Seiten 32 und 33 (gekürzt)

Krell-Stein auf dem Jüdenhof in Dresden
der Krell-Stein auf dem Jüdenhof in Dresden

Nikolaus Krell (1550 – 1601) genoss seine Ausbildung an der Fürstenschule in Grimma, studierte in Leipzig Rechtswissenschaft und promovierte.
Kurfürst August von Sachsen (1526 – 1586) berief ihn 1580 als Hofrat. Nach dem Tod des Kurfürsten im Jahr 1586 wurde sein Sohn als Christian I. (1560 – 1591) Kurfürst von Sachsen. Dieser berief Nikolaus Krell 1589 als Kanzler.
Als überzeugter Calvinist versuchte Krell, die Lutherische Orthodoxie in Sachsen zurückzudrängen und Sachsen an Frankreich, England und die protestantischen deutschen Fürsten anzunähern.
Nach dem Tod des Kurfürsten im Jahr 1591 änderte sich Krells Situation dramatisch, denn seine Gegner - die Lutherische Orthodoxie und der Adel - sorgten für seine Verhaftung. Zehn Jahre musste er auf der Festung Königstein schmachten, bevor er am 9. Oktober 1601 vor dem Stallhof in Dresden mit dem Schwert hingerichtet wurde.
An der Stelle seiner Hinrichtung auf dem Jüdenhof - etwa zehn Meter vor dem Türkenbrunnen in Richtung der Frauenkirche - erinnert ein in die Straße eingelassener und beschrifteter Stein an ihn.


Der Königstein und seine Gefangenen, Seite 33 Der Königstein und seine Gefangenen, Seite 34
Der Königstein und seine Gefangenen, Seite 34 Der Königstein und seine Gefangenen, Seite 35 Der Königstein und seine Gefangenen, Seite 37

Quelle: Gunter Pirntke: Der Königstein und seine Gefangenen, 2014, Seiten 33 bis 35 sowie 37 (gekürzt)


aus: ´Das goldne Buch vom Vaterlande´, Löbau: Walde, 1859, Seite 247
aus: ´Das goldne Buch vom Vaterlande´, Löbau: Walde, 1859, Seite 248
Der erste bekanntere Staatsgefangene auf dem Königsteine war der kursächsische
Kanzler Dr. Nikolaus Crell unter Christian II. Regierung. Er ward am 18. November
1591 auf den Königstein gebracht, wo er bis 4. October 1601 blieb, also 1 1/2 Monate
weniger 10 Jahre daselbst lebte und dem Gefängniß, das er bewohnte, den Namen
"die Crellburg", verschaffte. Dieser Mann starb auf dem Schaffot und zwar wegen
einer schweren Sünde, die von einer gewissen Partei damals wie heute und auch in
der Zukunft niemals vergeben wird, d. h. er war ein aufgeklärter, um ein Jahr-
hundert seiner Zeit am Geiste vorangeeilter Staatsdiener, der die lutherische Geist-
lichkeit wegen des Calvinismus, dem er anhing, und den Adel, dessen ungebührlichen
Anmaßungen er kräftig entgegenwirkte, zu Todfeinden hatte. Dies Streben bezahlte
Crell mit seinem Kopfe.

Ehe er noch auf den Königstein gebracht wurde, war schon sein Tod beschlossen,
die Vertheidigung aber, die der Kanzler selbst für sich führte, machte die Sache so
lang, daß sie 10 Jahre dauerte. Indeß sterben sollte er einmal und so brachten denn
die Stände, da gegen Crells schlagende Entgegnungen nicht anders aufzukommen war,
und um ihr Unrecht zum Recht zu stempeln, folgende drei schwere Anklagepunkte vor
das kaiserliche Appellationsgericht zu Prag:

1) Er hat sich unberufen in Religionssachen gemischt (die Teufel-Austreibung
bei Taufen brachte er ab und zog sich dadurch den Teufel auf den Hals).

2) Er hat zwischen dem Kurfürsten und den Ständen die Saat des Mißtrauens
auszustreuen versucht (er trat den Anmaßungen des Adels entgegen), indem er dem
Kurfürsten gerathen, dem Adel die Jagdgerechtigkeit, womit derselbe doch beliehen
worden, zu entziehen.

3) Er hat zum Nachtheile des römisch-deutschen Kaisers zwischen dem Könige
von Frankreich und dem kursächsischen Hofe eine Correspondenz eingeleitet.

Ein schönes Freundschaftsbeispiel spricht für Crell. Magister Montag theilte
freiwillig sein 10jähriges Gefängniß. Wer einen solchen Freund hat, an dem muß
doch Gutes sein.

aus: "Das goldne Buch vom Vaterlande", Löbau: Walde, 1859, Seiten 247 – 248