Geschichte Dresdens 1900 – 1918

27.7.1900
In Bremerhaven hält der deutsche Kaiser Wilhelm II. (1859 – 1941) vor den nach Ostasien abkommandierten Truppen seine berüchtigte „Hunnenrede“, in der er u. a. fordert „Kommt ihr vor den Feind, so wird derselbe geschlagen! Pardon wird nicht gegeben! Gefangene werden nicht gemacht! Wer euch in die Hände fällt, sei euch verfallen! Wie vor tausend Jahren die Hunnen unter ihrem König Etzel sich einen Namen gemacht, der sie noch jetzt in Überlieferung und Märchen gewaltig erscheinen lässt, so möge der Name Deutscher in China auf 1000 Jahre durch euch in einer Weise bestätigt werden, dass es niemals wieder ein Chinese wagt, einen Deutschen scheel anzusehen!“ Die verabschiedeten Truppen gehören zum Expeditionskorps, das im Kaiserreich China bei der Niederschlagung des Boxeraufstandes helfen sollte.
6.3.1901
In Bremen wird der deutsche Kaiser Wilhelm II. (1859 – 1941) bei einem Attentat durch den 20-jährigen Werftarbeiter Johann-Dietrich Weiland am Kopf verletzt.
26.6.1901
Die Leipziger Bank stellt den Konkursantrag. Diese Insolvenz Bank stürzt das Königreich Sachsen in eine schwere Wirtschafts- und Regierungskrise.
30.11.1901
Deutsche Truppen unterdrücken in der Kolonie Kamerun (Kamerun war von 1884 bis 1919 deutsche Kolonie.) bei Garoua einen Aufstand der Fulbe.
10.12.1901
Der schwedische König Oskar II. (1829 – 1907) verleiht zum ersten Mal den nach seinem Stifter Alfred Nobel (1833 – 1896) benannten Nobelpreis in Stockholm und Oslo an Deutschen Wilhelm Conrad Röntgen (1845 – 1923, Nobelpreis für Physik), den Niederländer Jacobus Henricus van 't Hoff (1852 – 1911, Nobelpreis für Chemie), den Deutschen Emil Adolf von Behring (1854 – 1917, Nobelpreis für Medizin), den Franzosen Sully Prudhomme (1839 – 1907, Nobelpreis für Literatur) sowie den Schweizer Henry Dunant (1828 – 1910) und den Franzosen Frédéric Passy (1822 – 1912, beide Friedensnobelpreis).

29.1.1902

Die SPD-Zeitung "Vorwärts" veröffentlicht ein Geheimpapier der Kaiserlichen Marine, in dem der Staatssekretär des Reichsmarineamtes Großadmiral Alfred von Tirpitz (1849 – 1930) detailliert über Rüstungspläne zur Flottenerweiterung berichtet. Der Artikel weitet sich zu einem Skandal aus.

19.6.1902

König Albert I. von Sachsen (1828 – 1902) stirbt in Sybillenort (Niederschlesien). Da seine Ehe mit Königin Carola (1833 – 1907) kinderlos blieb, wird sein jüngerer Bruder Georg (1832 – 1904) der sechste König von Sachsen.

15.11.1902

Die SPD-Zeitung ´Vorwärts´ outet den Industriellen und reichsten Mann Deutschlands Friedrich Alfred Krupp (1854 – 1902) als Homosexuellen. Eine Woche später ist er tot, offiziell einem Hirnschlag erlegen. In verschiedenen Zeitungen wird ein Selbstmord vermutet.

9.12.1902

In Dresden kommt es zu einem riesigen Skandal am sächsischen Königshof, nachdem die im Volk sehr beliebte, im Königshaus aber angefeindete und mit Intrigen überladene Erzherzogin Luise von Toskana (1870 – 1947) mit ihrem Liebhaber aus der Stadt flieht.
16.6.1903
Bei der Wahl zum 11. Deutschen Reichstag (397 Sitze) erhält die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) wieder die meisten Stimmen (31,7 %). Aufgrund des Mehrheitswahlrechts erhält die SPD aber nur 81 Sitze (20,4 %). Im „roten Sachsen“ gewinnt die SPD 22 der 23 Wahlkreise. Die Zentrumspartei (19,7 %, 100 Sitze), die Nationalliberale Partei (NLP, 13,9 %, 51 Sitze), die Deutsch-Konservative Partei (DKP, 10,0 %, 54 Sitze), die Regionalparteien (5,9 %, 32 Sitze) und die Deutsche Reichspartei (DRP, 3,5 %, 21 Sitze) folgen. Damit behalten die konservativen Befürworter von Schutzzöllen und Flottenvorlage eine komfortable Mehrheit (237 der 397 Sitze)
22.8.1903 – 18.1.1904
In der Textilarbeiterstadt Crimmitschau („Stadt der 100 Schornsteine“) streiken teilweise über 9.300 Arbeiterinnen und Arbeiter in Dutzenden Spinnereien, Webereien, Färbereien 21 Wochen lang für die Einführung des 10-Stunden-Tages. Erst 1908 beschließt der Deutsche Reichstag die Einführung des 10-Stunden-Tages.


30.8.1903


In Dresden wird das Bismarck-Denkmal feierlich enthüllt.
12.1.1904
In der deutschen Kolonie Deutsch-Südwestafrika (heute: Namibia) erheben sich die Einheimischen gegen die weißen Siedler. Der Aufstand der Herero wird bis 1908 mit brutaler Härte niedergeschlagen. Im Verlauf des Kolonialkrieges erlässt der deutsche General Lothar von Trotha (1848 – 1920) seinen berüchtigten Schießbefehl "Aufruf an das Volk der Herero", der als Vernichtungsbefehl die Grundlage für den Völkermord an den Herero und Nama bildet.


15.10.1904


König Georg von Sachsen (1828 – 1904) stirbt in Pillnitz. Sein Nachfolger als siebenter und letzter sächsische König wird sein ältester Sohn Friedrich August III. (1865 – 1932).
21.5.1905
Im Waldpark Klotzsche wird ein König-Albert-Denkmal feierlich eingeweiht.
7.7.1905
Wegen ihrer Unzufriedenheit mit den politischen Verhältnissen demonstrieren immer wieder die Arbeiter in zahlreichen Großstädten. In Sachsen wird zudem das seit 1896 geltende ungerechte indirekte Dreiklassenwahlrecht kritisiert. Als die Dresdner Stadtverordneten eine undemokratische Gewichtung der Wahlstimmen nach sozialer Schicht und Dauer des Bürgerrechts beschließen, kommt es auf den Zuschauerrängen zu Tumulten. Stinkbomben fliegen ins Stadtparlament.
6.7.1906
Die neue Genfer Konvention wird beschlossen.
16.8.1906
Der mehrfach vorbestrafte Hochstapler Friedrich Wilhelm Voigt (1849 – 1922) – besser bekannt als Hauptmann von Köpenick – besetzt mit einem Trupp gutgläubiger Soldaten das Rathaus von Köpenick, verhaftet den Bürgermeister und stiehlt die Stadtkasse.
25.1.1907
Bei der Wahl zum 12. Deutschen Reichstag (397 Sitze) erhält die Sozial-demokratische Partei Deutschlands (SPD) wieder die meisten Stimmen (28,9 %). Aufgrund des Mehrheitswahlrechts erhält sie aber nur 43 Sitze (10,8 %). Im „roten Sachsen“ gewinnt die SPD acht der 23 Wahlkreise.


11.6.1908


Die Dresdner Hausfrau Melitta Melitta Bentz (1873 – 1950) meldet den von ihr entwickelten Kaffeefilter beim Kaiserlichen Patentamt in Berlin an.


Januar 1909


Die Kindsmörderin Frida Martha Helm wird zum Tode verurteilt.
25.1.1909
In Sachsen wird nach massiven Protesten das bisher angewandte indirekte Dreiklassenwahlrecht in ein an Besitz, Bildung und Alter gekoppeltes Mehrstimmenwahlrecht (pro Wähler bis zu vier Stimmen nach Bildung, Besitz und Alter) abgewandelt.
12.7.1910
Bei der Ankunft des ersten Luftschiffs in Dresden war die Begeisterung der Dresdner riesig.
27.8.1910
Auf Initiative von Clara Zetkin (1857 – 1933) und Käte Duncker (1871 – 1953) beschließt in Kopenhagen die II. Internationale Sozialistische Frauenkonferenz, jährlich einen Internationalen Frauentag zu begehen. Dieser Kampftag für die Rechte der Frauen soll die Forderungen von Millionen Frauen nach Wahlrecht, 8-Stunden-Tag, Lohngleichheit bei gleicher Arbeit sowie Mutter- und Kinderschutz artikulieren. Der erste Frauentag wird am 19. März 1911 begangen – dem Gedenktag für die Märzgefallenen der 1848er Revolution. Ab 1921 gilt der 8. März als "Internationaler Frauentag".
12.1.1912
Bei der Wahl zum 13. Deutschen Reichstag (397 Sitze) erhält die Sozial-demokratische Partei Deutschlands (SPD) wieder die meisten Stimmen (34,8 %), so viel wie noch nie. Aufgrund des Mehrheitswahlrechts erhält sie aber nur 110 Sitze (27,7 %). Im „roten Sachsen“ gewinnt die SPD 19 der 23 Wahlkreise.
18.10.1913
Aus Anlass des 100. Jahrestages der Völkerschlacht (16. – 19.10.1813) weiht Kaiser Wilhelm II. (1859 – 1941) in Leipzig im Beisein fast aller deutschen Landesfürsten – u. a. des Königs Friedrich August III. von Sachsen (1865 – 1932) – das Völkerschlachtdenkmal ein.


14.12.1913


Ein schweres Zugunglück am Harrasfelsen zwischen Chemnitz und Braunsdorf fordert acht Menschenleben.
28.7.1914
Österreich-Ungarn erklärt Serbien den Krieg.
Vorausgegangen war ein Attentat einer bosnisch-serbischen Studentenorganisation, die für die Befreiung Bosnien-Herzegowinas von der österreichisch-ungarischen Besatzung kämpfte und am 28. Juni in der bosnischen Hauptstadt Sarajewo den österreichisch-ungarischen Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich (1863 – 1914) und dessen Frau erschoss. Österreich-Ungarn vermutete hinter diesem Attentat die serbische Regierung, versicherte sich der bedingungslosen Unterstützung durch das Deutsche Reich und setzte Serbien mit unannehmbaren Forderungen (Ultimatum an Serbien vom 23. Juli) unter Druck.
Aus diesem am 28. Juli beginnenden lokalen Krieg zwischen Österreich-Ungarn und Serbien entwickelt sich in den nächsten Tagen durch die Bündnisverpflichtungen der einzelnen Länder ein europäischer Krieg: Deutschland erklärt am 1.8. erklärt Russland den Krieg und Deutschland erklärt am 3.8. Frankreich den Krieg. Da Deutschland für seinen Krieg gegen Frankreich seine Truppen durch die neutralen Länder Belgien und Luxemburg marschieren lassen, erklären Großbritannien und sein weltweites Herrschaftsgebiet am 4.8. Deutschland den Krieg. Spätestens ab jetzt ist es ein Weltkrieg. Am 29.10. begann das Osmanische Reich im Schwarzen Meer mit der Beschießung russischer Küstenstädte und trat damit an der Seite Deutschlands und Österreich-Ungarns in den Krieg ein. Am 6.4.1917 treten schließlich auch die USA in den Krieg ein.
31.7.1914
In einem Pariser Café wird der erklärte Kriegsgegner und für eine Aussöhnung zwischen Deutschen und Franzosen eintretende Sozialist Jean Jaurès (1859 – 1914) von einem französischen Nationalisten ermordet.

1.8.1914

Deutschland erklärt Russland den Krieg. Dies ist der Beginn des Ersten Weltkrieges, in dem die Mittelmächte (auch: Dreibund, Deutschland mit seinen Verbündeten Österreich-Ungarn und dem Osmanischen Reich, insgesamt 118 Mio. Einwohner) gegen die Entente (Russland, Frankreich, Großbritannien und ab 1917 die USA, insgesamt 278 Mio. Einwohner) kämpfen und der letztlich 9 Mio. Soldaten und 6 Mio. Zivilisten sterben.
2.8.1914
König Wilhelm II. (1859 – 1941) ruft das ganze deutsche Volk, auch das Königreich Sachsen, zu den Waffen. Die sächsische Armee wird als 3. Deutsche Armee eingesetzt und tritt letztmalig mit einer eigenen Armee auf. Von 750.000 sächsischen Soldaten fallen 229.000.


4.8.1914


Auch die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) stimmt im Deutschen Reichstag der Bewilligung der Kriegskredite zu.
23.8.1914
Die am Überfall deutscher Truppen auf das neutrale Belgien beteiligte Königlich-Sächsische Armee (3. Armee) unter Generaloberst Max Clemens Lothar Freiherr von Hausen (1846 – 1922) verübt in der belgischen Kleinstadt Dinant ein Massaker, tötet 674 Zivilisten und zerstört zwei Drittel der 1.800 Häuser. Erst 2001 erkannte die Bundesregierung dieses Massaker als Kriegsverbrechen an.

26. – 30.8.1914

In der Schlacht bei Tannenberg besiegen 153.000 deutsche Soldaten unter den Oberbefehlshabern General Paul von Hindenburg (1847 – 1934) und Genral Erich Ludendorff (1865 – 1937) zwei 191.000 Soldaten starke russische Armeen. Dabei sterben 3.436 deutsche Soldaten. Auf russischer Seite sind 30.000 Gefallene oder Verwundete sowie 95.000 in Gefangenschaft geratene Soldaten zu beklagen.

4.10.1914

Prominente Künstler und Wissenschaftler, darunter 13 Nobelpreisträger, verneinen im Manifest der 93 an die Kulturwelt mit einem sechsfachen "Es ist nicht wahr" deutsche Kriegsverbrechen und die Alleinschuld Deutschlands am Ersten Weltkrieg.
7.11.1914
In Dresden werden mit einer polizeilichen Verordnung alle "feindlichen Ausländer" aufgefordert, die Stadt innerhalb von zehn Tagen zu verlassen. Davon betroffen sind 2.000 Menschen.
10.11.1914
Im Rahmen der Ersten Flandernschlacht vom 20. Oktober bis 18. November 1914 zwischen den deutschen und den französisch-englischen Truppen findet in der Nähe des belgischen Ortes Langemarck nahe der Stadt Ypern ein Gefecht statt, bei dem etwa 2.000 deutsche Soldaten – vorwiegend Ungediente und Kriegsfreiwillige – sterben. Obwohl die deutschen Truppen kaum Geländegewinne erzielen können, wird der Umstand, dass die Soldaten unter dem Gesang von "Deutschland, Deutschland über alles" gegen die feindlichen Stellungen anstürmten, fortan zur Herausbildung des Mythos von Langemarck genutzt.


2.12.1914


Als einziger Abgeordneter stimmt Karl Liebknecht (SPD) im Deutschen Reichstag gegen die Bewilligung der Kriegskredite. Der sächsische Abgeordnete Otto Rühle (1874 – 1943) blieb der Abstimmung fern.


24.12.1914


Deutsche und britische Soldaten tragen am Heilig Abend ein Fußballspiel gegeneinander aus.


20.3.1915


Im Deutschen Reichstag stimmen Karl Liebknecht (1871 – 1919) und Otto Rühle (1874 – 1943) als einzige Abgeordnete gegen die Bewilligung der Kriegskredite.
Karl Liebknecht und Otto Rühle stimmen gegen Kriegskredit.


22.4.1915


Die deutsche Armee setzt bei Ypern (Belgien) erstmals in der Kriegsgeschichte Giftgas ein. Dabei sterben etwa 5.000 Soldaten und werden etwa 20.000 schwer verletzt.
19.8.1915
Nachdem das deutsche U-Boot SM U 27 unter Kapitänleutnant Bernd Wegener 70 Seemeilen vor der irischen Küste den britischen Frachter "Nicosian" gestoppt, deren Besatzung in Rettungsboote gesetzt und den Frachter zur Versenkung vorbereitet hatte, nähert sich unbemerkt die britische U-Boot-Falle HMS "Baralong" unter Lieutenant Commander Godfrey Herbert (1884 – 1961). Es eröffnet sofort das Feuer und versenkt die U 27. Auf Befehl des britischen Kapitäns werden die zwölf überlebenden Deutschen, die im Wasser schwimmen oder sich an Bord der "Nicosian" gerettet haben, erschossen. Die Baralong-Affäre führt zu jahrelangem diplomatischen Auseinandersetzungen zwischen Deutschland und Großbritannien.


Oktober 1915


In Chemnitz kommt es wegen der schlechten Versorgungslage und der geringen Aussicht auf ein Kriegsende zum "Butter-Krawall".

21.12.1915

Im Deutschen Reichstag stimmen außer Karl Liebknecht (1871 – 1919) und Otto Rühle (1874 – 1943) erstmals auch 18 weitere SPD-Abgeordnete gegen den neuen Kriegskredit. Außerdem verlassen 22 Sozialdemokraten den Saal, um sich somit nicht an der Abstimmung beteiligen zu müssen.
1.5.1916
In Dresden, Leipzig, Pirna und Chemnitz demonstrieren die Menschen für Frieden.
13. - 15.5.1916
In Leipzig kommt es wegen der Herabsetzung der Lebensmittelrationen und der tageweisen Schließung von Lebensmittelgeschäften zu Krawallen, die von der Polizei nicht mehr zu unterbinden waren. Schließlich musste das Militär für Ruhe sorgen. Mindestens ein Mensch starb.


31.5. – 1.6.1916


In der Seeschlacht vor dem Skagerrak sterben 2.551 deutsche und 6.094 britische Seeleute.
2.11.1916
Der Frust der deutschen Bevölkerung über den andauernden Krieg entlädt sich in "Frieden! Frieden!"-Rufen während einer Antikriegsdemonstration in Berlin.


28.12.1916


In der Dresdner Albertstadt fordert eine gewaltige Explosion in der Munitionsfabrik elf Menschenleben.


9.1.1917


Die deutsche Oberste Heeresleitung beschließt, den U-Boot-Krieg uneingeschränkt wieder aufzunehmen.


8.2.1917


Der Präsident des Kriegsernährungsamtes erlaubt ab sofort das Verwenden von Futterrüben beim Herstellen von Brotteig. ("Kohlrübenwinter")


6.4.1917


Die USA erklären ihren Kriegseintritt gegen das deutsche Kaiserreich.
6. – 8.4.1917
In Gotha wird die USPD gegründet.
7.4.1917
In seiner Osterbotschaft verspricht der deutsche Kaiser Wilhelm II. (1859 – 1941) nach einem "glücklichen Ende des Krieges" Änderungen der Verfassung sowie das Ersetzen des Dreiklassenwahlrechts in Preußen durch ein geheimes und direktes Wahlrecht.
1.5.1917
Im Plauenschen Grund in Dresden demonstrieren hunderte Arbeiter für Frieden.
19.7.1918
Ein schwerer Brand in der Kartuschierfabrik in Plauen (Vogtland) fordert 301 Todesopfer, darunter 296 Arbeiterinnen. Wegen der großen Hitze hatte sich das Schießpulver selbst entzündet. Das Feuer verbreitete sich rasend schnell. Die Fenster waren vergittert. Türen ließen sich nicht öffnen, weil die fliehenden Frauen in panischer Angst dagegen drückten. Mangelnder Arbeitsschutz war letztlich die Ursache, nicht „vom Feind gedungene Verräter“.

11.10.1918

In der SPD-Zeitung "Dresdner Volks-Zeitung" erscheint ein Artikel über die Bedeutung des Weltkrieges: "... aber ebenso sicher ist auch, daß er den Anstoß zu vielen technischen Erfindungen und Verbesserungen gegeben, die Betriebs- und Kapitalskonzentration gefördert, neue Industrien ins Leben gerufen hat, und daß daher, wenn es wieder an das Aufbauen des Zerstörten geht, dieses Aufbauen mit ganz anderen Mitteln und in ganz andrer Weise erfolgen wird, als vor vierzig, fünfzig Jahren. ..."
24.10.1918
Als die deutsche Seekriegsleitung befiehlt, die vor Wilhelmshaven ankernde deutsche Kriegsflotte solle gegen die britische Royal Navy in eine letzte Schlacht auslaufen, meutern einige Schiffsbesatzungen. Die Matrosen sind kriegsmüde und wollen angesichts der feststehenden Kriegsniederlage Deutschlands nicht den sinnlosen Märtyrertod sterben. Diese Schiffe werden nach Kiel zurückbeordert. In Kiel verbrüdern sich die meuternden Matrosen mit den ebenfalls kriegsmüden Arbeitern ("Kieler Matrosenaufstand"). Das wird zum Auslöser der Revolution von 1918/19 (nicht zutreffend ist die Bezeichnung "Novemberrevolution").
4.11.1918
Kieler Matrosenaufstand
6.11.1918
In der Fliegerkaserne in Großenhain wählen 3.000 Soldaten der Fliegerkaserne den ersten Soldatenrat Sachsens als Antikriegsorgan.
7.11.1918
Die Mehrheitssozialisten (MSPD) stellen ein Ultimatum und fordern die sofortige Abdankung von Kaiser Wilhelm II. (1859 – 1941).
8.11.1918
In Dresden, Leipzig, Chemnitz und weiteren Städten übernehmen Arbeiter- und Soldatenräte die Macht. Dies ist der Beginn der Revolution. Der sächsische König Friedrich August III. (1865 - 1932) flieht nach Schloss Moritzburg.
9.11.1918
Gegen Mittag verkündet Reichskanzler Max von Baden (1867 – 1929) eigenmächtig die Abdankung des deutschen Kaisers Wilhelm II. (1859 – 1941) und den Thronverzicht des Kronprinzen Wilhelm von Preu0en (1882 – 1951) und übergibt sein Amt dem Führer der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) Friedrich Ebert (1871 – 1925).
Um 14 Uhr verkündet Philipp Scheidemann (SPD, 1865 – 1939) die "deutsche Republik".
Um 16 Uhr proklamiert Karl Liebknecht (Spartakusbund, 1871 – 1919) die "freie sozialistische Republik Deutschland".
Am späten Abend besetzen in Dresden Demonstranten das Haupttelegrafenamt, das Generalkommando des Heeres, das Polizeipräsidium und das Regierungsviertel. Der Arbeiter- und Soldatenrat übernimmt die Macht. Der sächsische König Friedrich August III. (1865 – 1932) verlässt am Abend das Residenzschloss und flieht nach Moritzburg.
10.11.1918
In Sachsen erklärt der neugebildete Vereinigte Revolutionäre Arbeiter- und Soldatenrat (Rechte, Zentrum und SPD) den sächsischen König Friedrich August III. 1865 – 1932) für abgesetzt und die Monarchie für beendet. Der SPD-Politiker Hermann Fleißner (1865 – 1939) ruft im Zirkus Sarrasani am Königin-Carola-Platz (heute: Carola-Platz) den Freistaat Sachsen als Republik Sachsen aus.
11.11.1918
Mit der Unterzeichnung des Waffenstillstandsabkommens durch Matthias Erzberger (1875 – 1821) und den Oberbefehlshaber der Entente Ferdinand Foch (1851 – 1929) in einem Eisenbahnwaggon im Wald von Compiègne bei Paris endet der Erste Weltkrieg.
12.11.1918
Mit ihrem "Aufruf an das deutsche Volk" verkündet die deutsche Regierung, dass vom 1. Januar 1919 an der achtstündige Arbeitstag sowie das freie, geheime, aktive und passive Wahlrecht für Frauen und Männer ab 20 Jahre gelten soll.
13.11.1918
In Dresden konstituiert sich der Zentrale Arbeiter- und Soldatenrat für Sachsen.
Der sächsische König Friedrich August III. (1865 – 1932) dankt auf Schloss Guteborn bei Ruhland ab, angeblich mit den Worten „Machd doch eiern Dregg alleeene!“
14.11.1918
In Sachsen konstituiert sich der "Rat der Volksbeauftragten" unter Führung von Richard Lipinski (USPD, 1867 – 1936). Ihm gehören je drei Mitglieder der SPD und USPD an.
15.11.1918
Die Großindustriellen und die Gewerkschaften vereinbaren im "Stinnes-Legien-Abkommen" die Anerkennung der Koalitionsfreiheit, die Regelung der Arbeitsbedingungen in Tarifverträgen und die tägliche Arbeitszeit bei maximal acht Stunden.
15.11.1918
Der "Rat der Volksbeauftragten" unter Führung von Richard Lipinski (USPD, 1867 – 1936) übernimmt als erste sächsische Staatsregierung die Macht.
28.11.1918
In Sachsen wird das allgemeine, gleiche, unmittelbare und geheime Verhältniswahlrecht für Frauen und Männer über 21 Jahre eingeführt.
6.12.1918
Durch Gardesoldaten werden in Berlin 16 Demonstranten getötet.
24.12.1918
Die "Weihnachtskrise" führt zum Ausscheiden der USPD aus der Regierung.