Bautzen wird niedergebrannt

Bautzen, im Jahr 1634



Das goldne Buch vom Vaterlande, Seite 16
Der Verlauf des Dreißigjährigen Krieges
und seiner schnell wechselnden Geschicke verheerte Deutschland, während dieser Zeit
blutiger Kämpfe überzog auch 1631 und 32 die Pest die Stadt Budissin und ver-
nichtete 7000 Menschenleben. Das Jahr 1634 war aber ein wahrhaftes Unglücks-
jahr für die Stadt. Das Wallenstein´sche Heer rückte in der Oberlausitz ein und
nahm Görlitz und Budissin. In Budissin blieb der kaiserliche Oberst von Golz mit
2000 Mann Besatzung. Der sächsische Kurfürst beschloß die Lausitz wieder zu
erobern und führte 40.000 Mann vor Budissin, wo Golz sogleich die Vorstädte
Das goldne Buch vom Vaterlande, Seite 17
abbrennen ließ. Aber ein fürchterlicher Sturm trieb die Flammen in die Stadt und
eine entsetzliche Feuerbrunst griff schnell um sich. Sämmtliche Gebäude der Stadt und
der Vorstädte gingen in Flammen auf, 600 Menschen büßten das Leben dabei ein.
Die sämmtlichen Archive des Domstiftes, der Stadt und des Schlosses wurden ver-
nichtet, nur die Michaeliskirche, deren Thurm und Dach aber auch abbrannten, ent-
ging diesem Schicksal.

Die Sage hat den Obersten Golz als einen der abscheulichsten Wütheriche ver-
ewigt. Er quälte die armen Bewohner auf das Schauerlichste. Als die Flammen
aus den Vorstädten in die Stadt schlugen und dies Flugfeuer an mehreren Orten
zündete, so soll es ihm Vergnügen gemacht haben, seine Soldaten erst recht anzünden
zu lassen. Bald brannte es in allen Straßen, Niemand durfte löschen, die Kroaten
plünderten und raubten, was sich nur rauben ließ. Um die unglückliche Stadt und
ihre Bewohner zu retten, bewilligten die belagernden Sachsen dem Obersten Golz
freien Abzug. Als er nun zum Lauenthore hinausgeritten, habe er sich nach dem
wogenden Feuermeere umgeblickt und seinen nachdrängenden Reitern höhnisch zuge-
rufen: Hört ihr die Hunde von Budissin heulen? Kaum diesen Spott ausgesprochen,
soll ihn der Schlag getroffen haben und er vom Pferde herabgestürzt sein. Es gelang
nicht ihn aufzuheben, denn die Thiere seiner Reiter scheuten vor den Flammen, die
sich ihnen nachwälzten und der Wütherich wurde unter ihren Hufen zertreten. Seit
dieser Zeit soll, der Sage nach, stets drei Tage vorher, ehe ein Feuer ausbricht, ein
feuriger Hund um die Mitternachtsstunde durch die Gassen laufen. Auch in einer
anderen Sage bewahrten die Budissiner das Andenken an jenen schrecklichen Brand.
Ein unbedeutendes Häuschen in der Goschwitz blieb unversehrt trotz des ringsum
prasselnden Feuermeeres stehen und alle Anstrengungen der Kroaten, das Dach durch
Pechkränze in Flammen zu bringen, war vergebens. Von diesem Häuschen erzählte
man sich folgendes: Der Besitzer, ein armer Mann, habe eine von Kälte und Hunger
fast sterbende Zigeunerfamilie barmherzig einige Jahrzehnt vorher bei sich aufgenommen
und zum Dank habe der Zigeuner, als er des mitleidigen Mannes Haus wieder
verließ, den Feuersegen über dasselbe gesprochen und zu seinem Helfer in der Noth
gesagt: "Von dieser Stunde an wird Dein Haus kein Raub der Flammen werden
und wenn auch die ganze Stadt in Schutt und Asche verwandelt würde, so wird doch
kein Feuer es anfassen." Merkwürdig genug stand dies Häuschen noch 1840, wo
es seiner Baufälligkeit wegen niedergerissen wurde und der geebnete Platz als Garten
benutzt wird.

Seit dem Jahre 1634 erhob sich Budissin nicht wieder zu seinem frühern Wohl-
stande.
aus: "Das goldne Buch vom Vaterlande", Löbau: Walde, 1859, Seiten 16 – 17