Endlich Frieden!

am 24. Oktober 1648


aus: ´Das goldne Buch vom Vaterlande´, Löbau: Walde, 1859, Seite 148
Friede! Laut des Himmels, du sankst nieder auf das zu einem großen Todten-
acker gewordene Deutschland. Ja, das blühende Vaterland war zum ungeheuren
Leichenfelde geworden, Sachsen allein hatte eine Million Menschenleben dazu
beigesteuert in den 30 Jahren und über 60 Millionen an Geld verloren. Der
Osnabrücker Friede gewährte Sachsen eine wahrhaft kümmerliche Entschädigung für
diese enormen Opfer. Außer der Bestätigung seines früheren Besitzstandes der drei
Stifte Meißen, Merseburg und Naumburg und die Lausitzen, erhielt es als Abfindung
für den unermeßlich wichtigen Besitz Magdeburgs, welches nach dem Tode des
Administrators, Herzogs August, (1680 erfolgt) an Brandenburg zu fallen entschieden
wurde, nur die vier magdeburgischen Aemter, Querfurt, Jüterbock, Dahme und Burg.
Auch Halberstadt fiel an Brandenburg, und so hatte Sachsen bei dem langen blutigen
Trauerspiel so blutwenig errungen, daß dies gegen die gebrachten ungeheuren Opfer
nicht im entferntesten in Anschlag zu bringen war. Die Lausitzen hatte Hans Georg
für den Kaiser erobert, dieser aber, der die Kosten dieses Feldzuges nicht zahlen
konnte, sah sich genöthigt, sie ihm eigenthümlich zu überlassen. Auch die jülichsche
Erbschaft entging durch den Osnabrücker Friede dem Hause Sachsen. Natürlich konnte
dieser schlechte Ausgang eines sein Land zum Tode erschöpfenden Krieges dem Kur-
fürsten Hans Georg nicht gleichgiltig sein. Vielleicht gab es Stunden, wo er sich sagen
mußte, daß er und seine Theologen die eigentlichen Urheber dieses verderblichen
Kampfes gewesen seien, denn hätte nicht der geistliche Fanatismus Hoes und Genossen
ihn berückt, er hätte vereint mit dem calvinistischen Brandenburg und Pfälzer Kurfürsten
Front gegen den Kaiser und die Katholischen gemacht und es hätte dann keines
Gustav Adolf und seiner Schweden bedurft, um die Feinde der Protestanten in die
Schranken zu weisen, die ihnen geziemten. Die traurige Zuneigung zum Kaiser
trieb ihn zum Abschluß des Prager Friedens, den die Sachsen verwünschten, um
des Unheils willen, das er über das Land brachte. Dieser Friede war nicht weniger
als ein Abfall von der heiligen Sache des Protestantismus ... und konnte Hans
Georg mehr für solches Thun von dem allgemeinen Frieden erwarten, als ihm zu
Theil wurde? gewiß nicht. Er hatte sich weder der Kaiserlichen Dank verdient, noch
die Zuneigung der Protestanten erworben, die gar keine Ursache hatten, ihm zu
trauen, da er ihrem Feinde als Freund beigestanden.

In Hans Georgs Hand lag es, ein Machtwort zu sprechen in den großen
Kämpfen, sich zum Mittelpunkte aller Protestanten zu machen, und er versäumte Alles,
er opferte seine Glaubensgenossen dem Kaiser auf. Leider ist dergleichen Unglück in
allen Staaten der Fall, wo die Geistlichkeit das große Wort führt, der Haß regiert
da und verblendet die Gemüther. Selbst die furchtbaren Drangsale des so viele
Jahre dauernden, mit Mühe beendeten Kampfes hatten die Todfeindschaft der
Lutheraner gegen die Calvinisten nicht vermindert, sondern loderte nach Beendigung
des Krieges - sie hatte eigentlich noch nie geschwiegen - von Neuem auf.



aus: "Das goldne Buch vom Vaterlande", Löbau: Walde, 1859, Seite 148