Wallensteins Truppen marschieren in Leipzig ein

Leipzig, am 2. November 1632

aus: ´Das goldne Buch vom Vaterlande´, Löbau: Walde, 1859, Seite 138
aus: ´Das goldne Buch vom Vaterlande´, Löbau: Walde, 1859, Seite 139
Ein stärkerer Beweis, daß des Kurfürsten Heer eben wenig Ehre sich erwarb
und in Böhmen sehr schlecht angeschrieben stand, dürfte wohl nicht aufzufinden sein,
daß es aber kein Heer von Kriegern sei, zeigte der kampflose Rückzug aus Böhmen
im Juli 1632, nach Schlesien. Somit war das Sachsenland den Kaiserlichen
blosgegeben, die auch gar nicht säumten, daselbst schon im August einen Einfall in
das von seinen Vertheidigern entblößte Land zu machen. Holk und Gallas sind für
Sachsen Namen unvergänglichen Fluches geworden, sie fielen im Erzgebirge und
Voigtland ein und alle Schandthaten, die nur Menschen ersinnen und verüben
können, geschahen an den schuldlosen Einwohnern, wohin sie kamen; Feuer, Mord
Raub in der gräßlichsten Weise, war in ihrem Gefolge, und um das Maaß des
Elends voll zu machen, rückte ihnen auch Wallenstein nach den unentschieden bleibenden
Kämpfen bei Nürnberg nach. Es wäre wahrheitswidrig, wollte man den kampf-
und ruhmlosen Rückzug der Sachsen aus Böhmen, die förmlich von dem wieder als
Oberfeldherr des Kaisers installirten Wallenstein hinausgeschoben worden waren, auf
Arnims Rechnung setzen. Das sächsische Heer war trotz des vielen Geldes, das es
kostete, sehr schlecht bestellt. Vergebens drang Arnim darauf, daß man es auf einen
respectabeln Fuß setzen möchte, um dadurch nach beiden Seiten hin zu gewinnen,
erstens, damit man nicht nöthig habe, sich unbedingt den Schweden unterzuordnen
und zweitens, daß die Friedensverhandlungen, zu denen Wallenstein die Vollmacht
habe, nicht etwa mit Bedingungen verclauselirt würden, die man gar nicht zu äußern
wagen würde, wenn der Kurfürst eine respectable Kriegsmacht habe. Das waren
sehr vernünftige Vorschläge, indeß sie fanden am Dresdener Hofe keinen Nachhall.
Für Alles, was Kraft erforderte, war man daselbst nicht geschaffen, daher blieb Heer
und Politik kraft- und saftlos. Als Wallenstein in Sachsen einrückte und am
2. November 1632 Leipzig an ihn überging und er entschlossen schien, Winterquartiere
in Sachsen zu nehmen, war man am Dresdener Hofe gewaltig in Angst und sehnte
sich nach dem einzigen in dieser großen Noth den Ausschlag geben könnenden Retter,
Gustav Adolf, der erst von der Donau her gezogen kam.

aus: "Das goldne Buch vom Vaterlande", Löbau: Walde, 1859, Seiten 138 – 139