Die Schlacht bei Wittstock am 4. Oktober 1636

Wittstock, am 4. Oktober 1636


aus: ´Das goldne Buch vom Vaterlande´, Löbau: Walde, 1859, Seite 143
aus: ´Das goldne Buch vom Vaterlande´, Löbau: Walde, 1859, Seite 144
Hans Georg ließ mit seiner 26.000 Mann zählenden
Armee zu den Kaiserlichen. Anderthalb Jahre lang blieb er persönlich bei dem Heere,
bis ihm der Schwedenfeldherr Baner am 4. October 1636 eine Hauptniederlage bei
Wittstock im Brandenburgischen beibrachte, in der er nicht nur seine sämmtliche
Artillerie und Bagage, sondern auch sein Silbergeschirr und seine Kanzlei einbüßte.
Nach diesem empfindlichen Schlage war ihm das Kriegsführen verleidet und er begab
sich Anfang 1637 nach Dresden, seiner Hauptstadt, zurück.

Es war eine Zeit zum Verzweifeln, besonders als Hans Georg die schwere
Niederlage bei Wittstock erlitten hatte und die schwedischen Armeen nun dem Sachsen-
lande nahten, um Rache an demselben für die gute Freundschaft von dessen Kurfürsten
mit dem Kaiser zu nehmen. Das Jahr 1637 war ein Angst- und Wehejahr. Die
Schweden, die Pest, welche Dresden um 1.096 Menschen ärmer machte, die Theuerung
- Alles vereinigte sich zum Elend. Die Landsleute flüchteten schaarenweise vor den
Alles verwüstenden und gleich Würgengeln über das Land herfallenden Schweden.
Die Angst vor ihnen steigerte sich zum Entsetzen, als Torgau am 5. Mai diesen
wüthenden Feinden in die Hände fiel. Viele Tausende Flüchtlinge bedeckten die
Straßen des Landes, um den Unholden zu entfliehen und in Dresden langten vom
7. bis 9. Mai allein 12.000 Wagen dieser Flüchtlinge an, die sich und ihr beweglich
Gut zu bergen suchten.

Ehe noch dies neue Elend in Gestalt der Schweden über das Land kam, war
es darin schon greulich genug zugegangen. Nicht die Kaiserlichen, welche mit Abschluß
des Prager Friedens zu Aller Freude das arg gequälte Land verließen, sondern die
Officiere des bei Wittstock geschlagenen sächsischen Heeres, die mit ihren Soldaten
sich vorzüglich nach Dresden zurückgezogen hatten, während, wie erwähnt, ihr Herr,
der Kurfürst erst Anfang 1637 in seine Hauptstadt zurückkehrte, trieben abscheuliche
Wirthschaft. Die Frau Kurfürstin schrieb deshalb an ihren Gemahl: "Sind hier
im Lande so viel Tribulir-Soldaten, die die Leute (brand) schatzen, daß Euer
Liebden nicht glauben, wie übel es im Lande zugeht, (sie) nehmen Euer Liebden
noch das Uebrige für den Mund weg. Gott erbarm´s, der arme gemeine
Soldat kriegt nichts (da-)von, die Großen stecken es in ihrem Beutel."
In demselben Briefe wiederholt sie: "Euer Liebden seien leider, Gott
erbarm´ es, verrathen und verkauft. Sie haben wenig, die´s mit
Euer Liebden meinen, wie sie´s vorgeben."

aus: "Das goldne Buch vom Vaterlande", Löbau: Walde, 1859, Seiten 143 – 144