500 kroatische Reiter versuchen, Altendresden zu erobern

Dresden, am 30. Mai 1631

aus: ´Das goldne Buch vom Vaterlande´, Löbau: Walde, 1859, Seite 139
Die Physiognomie Dresdens hatte sich seit einem Jahres etwas verändert, weil man
doch auf Sicherung der Residenz bedacht sein mußte, welche bei einem Haare einem
kaiserlichen Streifcorps in die Hände gefallen wäre, wenn nicht die Liebe zur Vater-
stadt einen bei den Kaiserlichen als Soldat dienenden jungen Mann bewogen hätte,
deren Retter zu werden. Ende Mai 1631 meldete nämlich dieser dresdnerische
Kaiserliche, daß am Abend des 30. Mai das Streifcorps, bei dem er diene, in die
Neustadt eindringen wolle, welche damals offen und unverwahrt war. Mit Mühe
bewog er die Behörde dazu, daß sie deren nach dem Walde hin offene Gassen
verbarricadire. Man schien einen solchen Ueberfall als gar nicht recht möglich zu
halten, indeß der Abend des 30. Mai bewahrheitete dessen Wirklichkeit. Die Kroaten
stürmten heran, erstaunten aber nicht wenig, die offen vermeinten Gassen durch Gräben
und eingeschobene Wagen verrammelt und sich zugleich mit einem wohlgezielten Feuer aus
Musketen und Pirschröhren, denn die Jäger aus dem Jägerhof waren mit aufgestellt,
bewillkommnet zu sehen. Sie stiebten auseinander und ließen ihre Wuth an den
benachbarten Dörfern aus. Dieser abgewehrte Ueberfall ward Ursache, daß Dresden
mit Schanzen gut umgeben und der Befehl ertheilt wurde, alle Strohdächer von den
Häusern abzudecken. Im Nothfalle sollten die Vorstädte abgebrannt werden. Die
Bürgerschaft wurde aus dem Zeughause bewaffnet. Es erklärt sich, warum man für
das Heer nichts thun konnte. Der Kurfürst hatte noch vor seiner Vereinigung mit
Gustav Adolf sich genöthigt gesehen, von der Dresdener Bürgerschaft 25.000 Gulden
zu 5 bis 6 Procent aufzunehmen und dem Rath dagegen die Jahrrente und das
Land- und Wassergeleite verpfändet.

aus: "Das goldne Buch vom Vaterlande", Löbau: Walde, 1859, Seite 139