Der Frieden von Altranstädt

Altranstädt, am 24. September 1706


aus: ´Das goldne Buch vom Vaterlande´, Löbau: Walde, 1859, Seite 251
Der Abschluß des Altranstädter Friedens zwischen Sachsen und Schweden
forderte indeß noch die Freiheit mehrerer Personen zum Opfer. Dies waren der
Geheimrath Johann Friedrich von Eckhardt, der Geheim-Referendar Ernst von Pfingsten,
und der Präsident Anton Albrecht, Freiherr von Imhoff. Ihnen wurde zur
Last gelegt, daß sie bei genanntem Friedensabschlusse; ihrer Instruction zuwider, das
geheime Consilium umgangen, übereilt zum Abschlusse des Friedens geschritten und
sich Verfehlungen gegen den König erlaubt hätten.

Jeder der die damaligen Verhältnisse, den Charakter Karl XII. von Schweden
und Sachsens Schwäche kennt, ist der Ansicht, daß der damals abgeschlossene Friede
zu Altranstädt schwerlich anders hätte ausfallen können und diese Meänner jedenfalls
in dieser Ueberzeugung gehandelt hatten, denn es ist vor allen Dingen nothwendig,
einen Feind solcher Art wie die Schweden, die das Land so zu sagen auffraßen, je
eher je lieber aus den Grenzen zu bringen und da Gewalt hier nicht anwendbar,
also der Weg der Nachgiebigkeit der einzig beste war, ihrer los zu werden. Ein
paar Monate nach dem Abzuge der Schweden wurden die drei genannten Friedens-
commissaire verhaftet und ihnen der Prozeß gemacht.

Von einer gemischten Commission dazu verordneter Rechtsgelehrter aus der Leipziger
Juristenfacultät, dem Leipziger Schöppenstuhle und der Wittenberger Juristenfacultät
wurde das Urtel gesprochen. Es lautete gegen Imhoff auf ewiges Gefängniß und
Einziehung seiner Lehnsgüter, gegen den Geheim-Referendar Pfingsten auf Tod,
dann bei einer Milderung dieses Spruches auf "andere nachdrückliche Strafe".
Geheimrath von Eckhardt wurde am 12. August 1709 schon wieder der Haft entlassen.
gegen ihn scheint wenig Erhebliches vorgelegen zu haben. Imhoffs Strafe wurde
auf 10jähriges Gefängniß und später als er die Hälfte dieser Frist abgebüßt hatte,
in eine Geldbuße von 40.000 Thaler umgewandelt, dabei zugleich erklärt: er habe
nur aus Irrthum gefehlt und seine Ehre sei dadurch weder genommen, noch gekränkt.
Indeß mit dieses Mannes späteren Tod hängt ein Geheimnis zusammen, das bis
heute noch nicht enträthselt ist. Kurze Zeit, nachdem er die Freiheit erlangt hatte,
hieß es, er sei zu Dresden (am 5. Juni 1715) an einem Blutsturze gestorben.
Dieser Blutsturz muß aber von ganz besonderer Art gewesen sein, so ungefähr, als
wenn der Scharfrichter dabei beschäftigt gewesen wäre. Er war in Hohenprießnitz
bei Eilenburg, welches sein gehört hatte, begraben worden. Als die Begräbnisse im
Jahre 1793, wo Hohenprießnitz dem Grafen von Hohenthal zugefallen, eröffnet und
besichtigt wurden, fand man an der Leiche des angeblich 1715 am Blutsturze Ver-
aus: ´Das goldne Buch vom Vaterlande´, Löbau: Walde, 1859, Seite 252
storbenen das Haupt mit einem goldenen Draht am Rumpfe befestigt.
Ueber diese dunkle Geschichte wußte Niemand etwas anzugeben. Der Geheim-
Referendar Pfingsten erhielt keine Begnadigung und starb nach 27jähriger Gefangen-
schaft (1735) auf dem Königsteine.
aus: "Das goldne Buch vom Vaterlande", Löbau: Walde, 1859, Seiten 251 - 252