Johann Koch von Gyldenstein wird enthauptet

Dresden, am 30. Oktober 1724

aus: ´Das goldne Buch vom Vaterlande´, Löbau: Walde, 1859, Seite 253
aus: "Das goldne Buch vom Vaterlande", Löbau: Walde, 1859, Seite 253
Die Gyldenstein´sche oder auch Gyldensteen´sche Affaire wurde folgende Begebenheit genannt.
Mit dem schwedischen Heere kam 1706 der Oberstleutnant Johann Koch von Gyldenstein nach Sachsen.
Er war ein geborener Pommer und sprach sieben Sprachen. Karl XII. hatte ihn geadelt und ihn zu der
genannten militaerischen Charge erhoben. Einquartirt auf dem Gute Oelsnitz schwängerte er die spätere
Frau des Gerichtshalters Mathein, damals ein sehr hübsches Mädchen, welche ihm eine Tochter gebar.
Bei Pultawa in Rußland, wo Karl XII. eine so schwere Niederlage erlitt, ward er von den Russen
gefangen. Später wieder in Freiheit und beim schwedischen Heere erschoß er 1721 im Duell einen vor-
nehmen schwedischen Offizier und flüchtete nach Sachsen, wo er 1722 ankam und von der Frau Mathein
seine nun 16jährige sehr schöne Tochter, wahrscheinlich nicht zu den edelsten Absichten, ausgeliefert haben
wollte. Sowohl die Mutter derselben, seine einstige Geliebte (nunmehrige Mathein), wie deren Eltern
verweigerten dies. In seiner rohen Wuth erschlug er die Mathein auf dem Herrenhofe des Gutes Oels-
nitz, wo deren Mann Gerichshalter war. Man fand sie, mit 13 Wunden bedeckt, todt. Sogleich rich-
tete man auf ihn den Verdacht und ein Kürassier-Commando ergriff ihn am 15. März 1724 zu Elster-
werda. 4 Tage nach der That. Es wurde ihm der Proceß gemacht und er am 30. October 1724 selben Jahres
auf dem Rabenstein zu Dresden enthauptet. Gebunden an Händen und Füßen wegen seiner Wildheit
trug man ihn im Lazarethkorbe aus der Frohnfeste auf´s Schaffot, wo er, der Tags zuvor durch Pater
Hartmann katholisch geworden war, ohne alle Reue und Gebet dahin starb und dem Scharfrichter noch
in´s Gesicht spie. Ein Peinliches Halsgericht konnte gar nicht gehegt werden und um seine Lästerungen,
Flüche und Schandreden zu übertäuben, mußten die Tamboure beständig trommeln. Unaufhörlich bewegte
er den Kopf. Endlich brauchte der Scharfrichter eine List. "Dort kommt ein Reiter!", rief er. Der
Deliquent sah hoch auf, in dem Reiter einen Begnadigungsboten verhoffend und im selben Augenblick
flog ihm auch der Kopf vor die Füße.