Der Mörder des Priesters Hahn wird hingerichtet

Dresden, am 18. Juli 1726


aus ´Chronik der königlich-sächsischen Residenzstadt Dresden´ von Gustav Klemm, Seite 342
aus ´Chronik der königlich-sächsischen Residenzstadt Dresden´ von Gustav Klemm, Seite 343 oben
aus ´Chronik der königlich-sächsischen Residenzstadt Dresden´ von Gustav Klemm, Seite 343 unten
aus ´Chronik der königlich-sächsischen Residenzstadt Dresden´ von Gustav Klemm, Seite 344

Am 21. Mai ward der Archidiakonus an
der Kreuzkirche, M. Hahn, durcheinen Trabanten, Franz
Laubler von Oberhausen bei Augsburg, in seinem Zimmer er-
mordet. Der Mörder war katholischer Confession, und war
schon 1723 vom Archdiakonus unterrichtet und an den Prin-
zen Adolph von Weißenfels empfohlen worden, unter dessen
Trabanten er drei Jahre diente, bis er sich närrisch stellte
und den Abschied erhielt. Laubler hatte sich einen Strick, drei
sieben Zoll lange Nägel und auf dem Neustädter Jahrmarkte
am 20. Mai ein Messer gekauft. Mit diesen Werkzeugen
trat er Mittags 12 Uhr, den 21. Mai in´s Zimmer des M.
Hahn und fragte ihn, ob er den Spruch verstehe: ein guter
Hirt läßt sein Leben für seine Schaafe? Hahn sagte ja, und
Laubler brachte ihm sofort mit dem Messer fünf Stiche bei,
daran er alsbald verschied. Der Mörder entsprang mit dem
blutigen Messer über den Altmarkt, die Roßmarin- und Schloß-
gasse in die Schloßwache, wo er vom Regimentsprofoß als-
bald kreuzweis geschlossen ward. Laubler küßte seine Fesseln,
nannte sie die Banden Jesu, und sagte, er habe einen Luci-
fer vom Dresdner Kirchenhimmel herabgestürzt, einen Seelen-





mörder erlegt, nun aber sey ihm das Herz leicht. Abends
10 Uhr ward er, von 200 Mann eskortirt, ins Stockhaus
gebracht. Durch diese Mordthat ward ganz Dresden in die
höchste Aufregung versetzt, denn die wunderlichsten Gerüchte
fanden bei der untersten Volksmasse lebendigen Anklang. Feld-
marschall Wackerbarth, der eben in Sedlitz war, kam densel-
ben Abend noch herein und traf Gegenanstalten; der Rath,
der eben seinen Jahrmarktschmauß auf dem Neustädter Rath-
hause hielt, blieb beisammen, die Bürgerschaft trat in´s Gewehr,
4 Regimenter rückten ein und lagerten auf der Mönchs- und
auf der Vogelwiese. Der Superintendent Dr. Löscher hielt,
in Gegenwart des Grafen Wackerbarth, vom Rathhause eine
Rede an das Volk, das nicht zu beruhigen war, doch ging
am 24. Mai das Begräbnis des Ermordeten, den 20 Can-
didaten trugen, und wobei der Superintendent, am 6. Juni,
die Leichenpredigt*) hielt, unter Eskorte ohne Störung vorüber.
Die Hauptwache auf dem Neumarkt wurde mit 4 Kanonen
und alle Gassen mit Soldaten besetzt; den 14. Juni ward
ein neues Wachthaus auf dem Altmarkt begonnen und binnen
14 Tagen vollendet; auch hier wurden 4 Kanonen aufge-
pflanzt. Es verbreitete sich noch das Gerücht, man wolle





auch die übrigen lutherischen Geistlichen ermorden, und deßhalb
erhielt der Superintendent 16, der Stadtprediger Woeg 4,
der Hofprediger Engelschall 2 Mann Bürgerwache, die aber
nur 23 und 24 Mann aufzog. Den 2. Juli ward ein Tu-
multmandat angeschlagen, und am 18 der Mörder hingerich-
tet. Auf dem Altmarkt war ein fünf Ellen hohes Schaffot
errichtet, die Straßen durch Militär gesperrt. Um das Schaf-
fot standen 600 Bürger im Gewehr, dahinter 1000 Mann
Soldaten, und einige Compagnien Cürassire. Der Superior,
Pater Hartmann, geleitete den Delinquenten, konnte aber den-
selben keineswegs zur Reue bewegen. Er ward durch 12
Stöße von oben hart gerädert; der Körper ward auf das
Rad geschleift und mit Ketten und Nägeln aufs Rad befe-
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*) Von dem wohlredenden Blute eines unschuldig getödteten
Adels.





stigt. Den 6. August ward dann Gottfried Mittag, ein Ar-
tillerst, der bereits zweimal aufgeboten, wegen Theilnahme an
Tumult vor der Hauptwache nach Kriegsrecht erschossen, und
am Lazareth begraben. Weil er aber alle Nächte vor dem
Bette des Feldmarschall Wackerbarth erschien und diesen be-
unruhigte (!!), ward er am 28. wieder ausgegraben und
der Leichnam auf den böhmischen Kirchhof bestattet. Der
Stadt kehrte aber Ruhe zurück.

aus: "Chronik der königlich-sächsischen Residenzstadt Dresden" von Gustav Klemm, 1837, Seite 342 - 344

Der Mörder des protestantischen Priesters Hahn wird am 18. Juli 1726 hingerichtet
aus: "Ausführliche, gegründete und accurate Nachricht von dem Leben und Tode Tit. Herrn M. Herrmann Joachim Hahns, S. Theologiae Baccalaurei, im Ministerio zum Heil. Creutz in Dreßden Diaconi ..., Welcher am 21. May 1726. durch mörderische Hand jämmerlich umkommen", Seite 54
Wir gedencken hier noch mit wenigen, was mit dem Mörder ferner vorgegan-
gen. Denselben hat die Hahnische Köchin nebst einem Knaben aus der Nachbar-
schafft, nach vermerckter Mordthat, verfolget, und ihn anzuhalten geschryen, wor-
über er im Schloß von der reutenden Trabanten-Wache arretiret worden, da er denn
seiner bösen That sich gerühmet, und unter andern ausgestoßenen Läster-Worten
gesagt: Er habe einem Lucifer von dem Dresdnischen Kirchen-Himmel herunter
gestürzt, und einen Seelen-Mörder im Kampff erlegt: Nun sey sein Herz, so ihm
vorher schwer gewesen, ganz Feder-leicht. Hierauff ist er noch selbigen Tages gegen
Abend denen löbl. Stadt-Gerichten zur gefänglichen Hafft übergeben worden, und
hat in währender Gefangenschafft, worinnen er sich beständig zu der Römisch-Ca-
tholischen Religion bekandt, einige Reue des begangenen Delicki halber spüren
lassen, biß er endlich empfangen, was seine Thaten werth gewesen, und am 18. Juli
1726 auf einer zu dem Ende auf dem Alten Marckt gegen dem Rathhause über-
verfertigten Bühne lebendig von oben herunter gerädert, und der Cörper an der
Gerichts-Stäte vor dem Alt-Dreßdnischen Thor aufs Rad geflochten worden.