Die Preußen besetzen Dresden

Dresden, am 18. Dezember 1745

aus: ´Das goldne Buch vom Vaterlande´, Löbau: Walde, 1859, Seite 60
Am 18. December gab es eine Menge neugierige
Dresdener, welche nach dem Kesseldorfer Schlachtfelde pilgerten, um es gleich nach
frischer That in Augenschein zu nehmen. Diese Winterschlacht entschied den Krieg,
die österreichische Truppenmacht unter dem Prinzen von Lothringen, die sich ganz
in der Nähe von Dresden befunden hatte, nahm mit den Ueberresten der Rutowskischen
Truppen den Rückzug ins Gebirge der böhmischen Grenze zu. Die Oesterreicher
zeigten auch hier, trotzdem sie Freunde Sachsens waren, ihre Liebe zu Andenken
verschiedenster Art, denn sie plünderten vor ihrem Abzuge die Vorstädte, das Feld-
schlößchen und das Dorf Plauen. Diese kindliche Neigung, sich anzueignen, was
ihnen gefiel, bewiesen sie später im 7jährigen Kriege wieder.

Zwei Tausend Verwundete waren in die Stadt gebracht und in das Malzhaus
des Rathauses eingelegt worden. Den 18. December rückte Friedrich der Große
mit 6 Regimentern in Dresden ein. Seitdem es von Herzog Georg den Bärtigen
zur Festung erhoben worden, war es jetzt zum erstenmal erobert. Der König nahm
Quartier im Lubomirskischen Palais, besuchte den Hof und die zurückgelassene kleine
Familie des flüchtigen August III. und ertheilte Befehl, die Stadt zu schonen, deren
Plünderung der Superintendent, Dr. Löscher, beim alten Dessauer durch inständige
Fürbitte abgewendet hatte. Durch die starke Einquartirung steigerte sich natürlich
der Preis der Lebensmittel außerordentlich und es trat Mangel ein, so daß die
geringen Vorräthe an Mehl und Getreide unter dem Rathause im Beisein eines
Senators und einer Rathswache verkauft werden mußten. Was an Gewehren
vorräthig war, mußte ins Cadettenhaus abgeliefert werden. Den Offizieren, bis herab
zum Major, mußten täglich 4 Thaler, dem Hauptmann 1 Thaler, dem Lieutenant
und Fähnrich 12 Groschen gegeben, die Soldaten beköstigt werden. Dresden hatte
bis zum 29. December, wo die Preußen, nachdem am 25. December der Friede
zwischen Oesterreich, Preußen und Sachsen abgeschlossen wurde, es erst verließen,
fast an 90.000 Thaler für Beköstigung, Naturalverpflegung, Diäten u. s. w. zu
zahlen, außerdem hatte das Land eine Million Thaler Kriegscontribution zu ent-
richten. Am 20. December ließ Friedrich der Große eine Dankpredigt für den ihm
gewordenen Sieg in der Kreuzkirche abhalten.


aus: "Das goldne Buch vom Vaterlande", Löbau: Walde, 1859, Seite 60