Der Verräter Menzel kommt auf den Königstein

Königstein, 2. August 1763


Das goldne Buch vom Vaterlande, Seite 236 b

Das goldne Buch vom Vaterlande, Seite 258
1763 wurden der Königlich Sächsische Geheim-Sekretair Friedrich Wilhelm
Menzel und sein Schwager, der Dresdner Goldschmied Erfurth als lebenslängliche
Gefangene auf den Königstein gebracht. Durch leichtfertigen Lebenswandel in
Schulden gestürzt, ließ sich 1753 Menzel vom preußischen Gesandten gewinnen,
Abschriften von allen zwischen Sachsen, Petersburg und Wien gewechselten Regierungs-
Dokumenten zu liefern, woraus Friedrich der Große den Plan dieser Staaten ersah,
welche beschlossen, über ihn herzufallen und ihn klein zu machen. Diese Verrätherei
setzte er auch in Warschau fort, wohin er mit dem Könige 1756 gereist war. In
Dresden kam man unterdeß durch den Generalleutnant von Spörken dem Dinge auf
die Spur. Menzel und sein Schwager wurden in Warschau verhaftet. Menzel entfloh,
wurde aber in Prag erkannt und einstweilen auf die Festung Brünn, dann aber
am 2. August 1763 auf den Königstein transportiert. Sein Schwager war sein
Helfershelfer, der die Botengänge u. s. w. machte. Menzel, der Landesverräther,
wurde sehr hart gehalten. Ein zwischen seinen Füßen befindlicher Eisenstab hinderte
ihn am Gehen, nur mühsam konnte er dies bewerkstelligen. Auch soll ihm versagt
gewesen sein, sich Haare, Bart und Nägel abschneiden lassen zu dürfen, so daß der
Das goldne Buch vom Vaterlande, Seite 259
Bart zuletzt bis auf den Unterleib herabgewachsen sei. Anfänglich bestand seine
Kost in Wasser und Brod. In den 1780er Jahren erbat der Festungskommandant
Graf Solms Milderung dieser furchtbaren Strafe, der Eisenstab zwischen den Füßen
wurde ihm abgenommen, seine Kost etwas verbessert und zuweilen durfte er ein wenig
frische Luft genießen. So lebte er bis 1796, wo er 33 Jahre lang Gefangener
des Königsteins, als Greis von 72 Altersjahren starb. Erfurth, sein Schwager,
starb nach 15jähriger Gefangenschaft 1778.
aus: "Das goldne Buch vom Vaterlande", Löbau: Walde, 1859, Seiten 258 und 259